Diese Studie verbindet erstmals die gravierenden Veränderungen der "Traumdeutung" in ihren acht Auflagen mit den sie begleitenden Diskussionen, Kontexten und Konflikten; sie zeigt, wie die unterschiedlichen Lektüren des Traumbuches durch Kollegen, Kritiker und Patienten auf den Inhalt zurückwirkten und damit das entstand, was heute in Gestalt der "Traumdeutung" als fertiges Werk und kanonischer Text anerkannt wird. Marinelli und Mayer legen anhand zahlreicher unveröffentlichter Dokumente eine ungewöhnliche Geschichte der Traumtheorie in der Zeit von 1899 bis 1930 dar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2002
Das Jahr 1899 ist das Jahr, in dem Freuds Epoche machendes Werk "Traumdeutung" erschien. Allerdings, muss man nach Lektüre dieses Bandes wohl einschränken, in einer durchaus vorläufigen Form: Bis ins Jahr 1930 nämlich hat Freud das Werk immer wieder umgearbeitet und angereichert, indem er nicht zuletzt auf Forschungsergebnisse anderer Psychoanalytiker reagiert hat. Das Buch dokumentiert diese Änderungen, aber auch die Briefe mit Verbesserungsverschlägen, die Eugen Bleuler an Freud schickte. Als hochinteressanten Fund bezeichnet der Rezensent Alexandre Métraux überdies einen im Anhang abgedruckten, nicht ganz ernst gemeinten Gegenentwurf zur Traumdeutung aus dem Jahr 1900, von Freuds jüngerem Bruder Alexander. Dieser Band, so Métraux, ist für jeden ernsthaft an der "Traumdeutung" Interessierten beinahe unverzichtbar - wenigstens solange es keine kritische Edition des Textes gibt.
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