Mai Wegener

Neuronen und Neurosen

Der psychische Apparat bei Freud und Lacan. Ein historisch-theoretischer Versuch zu Freuds Entwurf von 1895
Cover: Neuronen und Neurosen
Wilhelm Fink Verlag, München 2005
ISBN 9783770540037
Kartoniert, 214 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Diese erste deutschsprachige Studie zu Freuds Entwurfs-Manuskript nimmt sowohl die historische Konstellation seiner Niederschrift 1895 als auch die seiner posthumen Publikation 1950 in den Blick. Sie rekonstruiert die disparaten Diskurse, die dieses eigenwillige, dichtgewebte Fundament der Psychoanalyse durchkreuzen: die Experimentalisierung des Lebens, die Debatte um den psychophysischen Parallelismus, den Briefwechsel Freuds mit Wilhelm Fließ etc. Außerdem geht sie den Wirkungen nach, die diese Schrift ein halbes Jahrhundert später entfaltet. Hier widmet sie sich vor allem Lacans Seminar von 1953, dessen Aufnahme der Kybernetik und der Mathematik sie nachzeichnet, wobei nicht nur die Konsequenzen dieses Wechsels der Bezugswissenschaften (als welche bei Freud noch die Neurologie fungierte), sondern auch bisher unbekannte Quellen Lacans aufgezeigt werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2005

Die Geschichte der Psychoanalyse ist selbst von zahlreichen Fehlleistungen geprägt, mokiert sich Martin Stingelin. In dieses wundersame Kapitel gehört für ihn auch die Menge an versäumten oder verspäteten Editionen. So ist es nämlich einem der Gründungsdokumente der Psychoanalyse ergangen, teilt er mit, dem sogenannten "Entwurf einer Psychologie", den Freud in mehreren Briefen an den Berliner Spezialisten für Hals- und Nasenleiden Wilhelm Fließ sandte. Erst 1950 ist dieser Entwurf veröffentlicht worden und dann auch noch in unzulänglicher Form, weiß Stingelin nun dank der Berliner Wissenschaftshistorikerin Mai Wegener, die dieser verworrenen Publikationsgeschichte in ihrem Buch nachgeht. Aufgrund der verspäteten Edition kam es, dass über den Umweg Frankreich und Lacan der Freudsche "Entwurf" zum ersten Mal in seiner Brisanz von physiologischen Annahmen und psychologischen Schlußfolgerungen überhaupt ernst genommen wurde, referiert Stingelin. Und zwar hätte Lacan ausgerechnet "die mathematisch formalisierbare Dimension" des Textes herausgearbeitet. Diesen ersten historisch ver-kehrten Teil von Wegeners Buch findet Stingelin äußerst spannend, der zweite, mehr ordnende Teil mit den Stichwörtern Paris - Wien - Berlin sei "ungleich weniger originell".

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