Hotel Kabul
Das legendäre Intercontinental und die bewegte Geschichte des afghanischen Volkes

btb bei Goldmann, München 2025
ISBN
9783442316854
Gebunden, 480 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Britta Fietzke. Mit zahlreichen Abbildungen. 1969 eröffnet, symbolisierte das Intercontinental in Kabul einst den Traum eines sich modernisierenden Landes. 50 Jahre später thront das legendäre Hotel noch immer auf einem Hügel unweit der afghanischen Hauptstadt. Es hat die sowjetische Besatzung, mehrere Staatsstreiche, einen Bürgerkrieg, die US-Invasion und den Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg der Taliban überstanden. BBC-Chefkorrespondentin Lyse Doucet checkt seit 1988 im "Interconti" ein. Sie erzählt von der Köchin Abida, dem Restaurantleiter Mohammed Aqa, vom Empfangschef Sadeq und der Kellnerin Malalai: von den bewegenden Leben jener, deren Schicksale untrennbar mit diesem besonderen Ort verbunden sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2026
Ein starkes Buch über die Veränderungen im Afghanistan der letzten Jahrzehnte hat Lyse Doucet laut Rezensentin Othmara Glas geschrieben. Die Journalistin Doucet nähert sich ihrem Thema, indem sie auf das Hotel Intercontinental in Kabul blickt, eine Prestigeinstitution, die von der britischen Interconti-Kette zunächst als Beitrag zum Schutz vor kommunistischer Einflussnahme angelegt war. Mithilfe von Porträts von Angestellten des Hotels zeichnet das Buch eine wechselvolle Geschichte nach, von den goldenen Jahren der 1970er mit rauschenden Parties und vielen internationalen Gästen, über die düstere Zeit nach dem Abzug der sowjetischen Armee bis hin zur jüngsten Machtübernahme der Taliban. Das Hotel eignet sich als Zentrum für ein solches Buch, freut sich Glas, weil sich in ihm die Wege vieler wichtiger politischer Akteure kreuzten. Freilich hat die Rezensentin auch zwei Kritikpunkte: Zum einen zeichnet das Buch keineswegs ein Bild des ganzen Afghanistan, die ländlichen Regionen des Landes kommen nicht vor. Zum anderen gefällt Glas die Übertragung ins Deutsche nicht, wobei sie weniger der Übersetzerin Britta Fietze als dem fehlenden Verlagslektorat die Schuld für holprige Sätze und ungeschickte Wortwahl gibt. Am positiven Fazit dieser Besprechung ändert beides nichts.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.03.2026
Die Journalistin Lyse Doucet ist Afghanistan-Kennerin, versichert Rezensentin Jasamin Ulfat-Seddiqzai, der Erzählung, Afghanistans Geschichte bestünde vor allem aus Armut und Islamismus, weiß sie dieses Buch entgegenzusetzen. Im Zentrum steht das Hotel Intercontinental in Kabul, in den 60ern gebaut, dessen Angestellte lässt Doucet erzählen: Vom unzweifelhaft vorhandenen Leid, aber auch von der Hoffnung, dass mit diesem modernen Hotel der Tourismus Einzug hält. Von Hochzeiten, die hier gefeiert werden, trotz Krieg, trotz Islamisten, trotz Terror, vom Luxus, aber auch vom Überfall der Sowjetunion und vom Bürgerkrieg. Doucet zeigt laut Ulfat-Seddiqzai ein "Mosaik der Resilienz", in dem sie den Hotelmitarbeitern hier eine Stimme gibt und dem nach wie vor betriebenen Hotel ein Denkmal setzt.