Aus dem Bengalischen von Barbara Das Gupt. Der in diesem Roman beschriebene historische Aufstand der Mundas Ende des 19. Jahrhunderts in einer Region etwa 400 Kilometer westlich von Kalkutta stellt den Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Birsa Munda, der Anführer dieses Kampfes, starb unter ungeklärten Umständen im Gefängnis. Er war noch keine 30 Jahre alt. Seine charismatische Erscheinung, seine rhetorischen und strategischen Fähigkeiten und nicht zuletzt sein früher Tod haben Birsa Munda zum Mythos werden lassen.Mahasweta Devi hat mit diesem Buch die Spuren der Besiegten nachgezeichnet. Eindringlich stellt sie die Lebensumstände und die immerwährende Ausbeutung der Mundas, den Werdegang Birsas und die unausweichliche Konfrontation mit den Herrschenden dar. Es gelingt ihr, die Person Birsa und die mythische Dimension seines Kampfes fühlbar zu machen. Die Autorin erhielt für dieses Werk 1979 ihre erste große literarische Auszeichnung in Indien.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.12.2005
Dieser bereits 1975 erschienene Roman lässt erahnen, warum Mahasweta Devi "das Gewissen Bengalens" genannt wird, erklärt Rezensentin Monika Carbe. Devi wende sich hier den Adivasi zu, den Ureinwohnern Indiens, die im 19. Jahrhundert gleich eine doppelte Ausgrenzung erfahren mussten. Denn einerseits gehören sie nicht dem indischen Kastensytem an, was sie an den äußersten Rand der Gesellschaft verdrängt, und genauso wenig leben sie gemäß den Kategorien der englischen Kolonialmacht. Wie sich unter den Munda, einer der Adivasi-Gemeinschaften, eine Rebellion zusammenbraut, die "mit Bambusbögen und Giftpfeilen"ausgetragen werde, beschreibe Devi anhand der Figur ihres gottgleichen Anführers Birsa. Die rondo-artige Erzählung beginnt mit dessen Gefängnistod, und rollt danach sein Leben chronologisch auf. Sehr beeidruckend findet die Rezensentin, wie Devi den Leser in die Lebenswelt der Munda mit ihren "Schöpfungslegenden und Liedern" abtauchen lässt, eine übermäßige Identifikation mit den Munda jedoch zu verhindern weiß. Dies geschieht durch die immer wieder einsetzende distanzierte Beobachtung, und auch dadurch, dass Devi die Haltung der Europäer mit ihren Beweggründen und auch Zweifeln genauso "authentisch" darstellt wie die Munda. Und schließlich, so das lobende Fazit der Rezensentin, ist es auch Devis Stil, der schlicht und ergreifend "unter die Haut geht".
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