Als vor Jerusalem ein Wanderprediger am Kreuz starb, ahnte niemand, dass damit ein neues Zeitalter anbrach. Vier Jahrhunderte später wurde das christliche Bekenntnis zur römischen Staatsreligion. Manfred Clauss erzählt die Geschichte dieses frühen Christentums - von den versprengten Urgemeinden bis ins 6. Jahrhundert - und entwirft ein überraschendes, archaisch-schillerndes Panorama: Da wird aus heidnischen Sonnwendfeiern das Weihnachtsfest, Märtyrer sehnen sich nach dem Tod, ein neues, prägendes Lebensideal der Askese bildet sich heraus. Streiter für ihre Kirche wie Paulus und Augustinus propagieren ihre Lehre, schreiben gegen falsche Propheten an - und Gruppierungen wie Arianer und Doketisten bekämpfen sich bis aufs Blut. Denn es war nicht nur die Liebesbotschaft des Evangeliums, die den Erfolg brachte: Das Christentum, wie wir es heute kennen, ist nicht zuletzt das Ergebnis von Eifer, Gewalt und politischem Kalkül.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2015
Rezensent Berhard Lang scheint mit dem Buch von Manfred Clauss mitnichten eine Geschichte des frühen Christentums vorzuliegen. Vielmehr hat der Autor eine Geschichte christlicher Gewalt geschrieben, meint er. Dass der Autor sich für den friedfertigen Glauben nicht interessiert und sich auf die fundamentalistische Seite des Christentums einschießt, scheint Lang allerdings legitim. Schon, da der Autor seine Analyse im Ton eines Aufklärers schreibt und mit den nötigen Quellennachweisen ausstattet. Auch wenn dabei eine unangenehme Wahrheit ans Licht kommt, eine Wahrheit ist es immerhin, findet Lang.
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