Siebzig Gedichte in zehn Zyklen vereint der neue Band von Manfred Peter Hein, energiegeladene Texte in höchster Verdichtung, abgerungen dem Schweigen. Sie bestechen durch ihre Genauigkeit und Unaufgeregtheit, sie sind filigran gebaut und gleichwohl von enormer Festigkeit. In ihnen ist die geschichtliche Erfahrung des Autors ebenso aufgehoben wie die Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Gegenwart. Heins Lyrik vertraut dem Wort, seinem Klang, seinem Bedeutungshof; sie bezieht sich auf literarische Traditionen und Sprechweisen, und führt sie weiter, für die Namen wie Bobrowski und Celan stehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2009
Den alten Maskenkünstler trifft Rezensent Nico Bleutge hier wieder: Manfred Peter Hein, wie er die Vergangenheit der Stille zu entreißen sucht - das ist dem Rezensenten angenehm vertraut. Die leichte Verschiebung, die Bleutge in den neuen Gedichten feststellt, bedeutet einen Verlust an Sicherheit. Dem zeitweisen Erlöschen des Gedächtnisses korrespondiert laut Bleutge die Suche nach dem richtigen Wort. Weil der Wortfinder Hein in diesen Texten ungewohnt häufig daneben liegt und sich poetische Reibung nicht immer einstellen will, wie der Rezensent einräumt, hält er sich an die syntaktisch besonders sperrigen Verse und wartet, "bis etwas aufbricht" oder ein Wort "sichtbar" wird.
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