Russland hat in den vergangenen 150 Jahren zahlreiche Kriege verloren.Der Vergleich der Kriege des Zarenreichs und der Sowjetunion mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine offenbart viele Parallelen. Ein imperiales Weltbild, Fehlperzeptionen, paranoide Feindbilder und Überschätzung der eigenen militärischen Fähigkeiten waren zentrale Ursachen für den Krieg des Zarenreichs gegen Japan 1905, den Einmarsch in Afghanistan 1979 und die Invasion in die Ukraine im Februar 2022. Auch scheinbar siegreiche Waffengänge wie der sowjetische Winterkrieg gegen Finnland 1939-1940 oder die beiden Tschetschenienkriege brachten nicht nur Tod und Verheerung in die angegriffenen Länder. Sie führten auch zu einer Brutalisierung und Degradation der russländischen Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.09.2023
Tief beeindruckt von der Vermittlungsleistung dieser Ausgabe der Zeitschrift Osteuropa als "immenser Wissens- und Gedächtnisspeicher" zeigt sich Rezensent Christian Thomas, der das Themenheft zu "Russlands verlorenen Kriegen" im Rahmen seiner kleinen Ukraine-Bibliothek vorstellt. Von der Wirkung der Musik, die sich in den bellizistischen, putin-verherrlichenden Dienst stellt, gehen die Essays verschiedener AutorInnen den oftmals verdrängten, verheimlichten Kriegen nach, die Russland verloren hat, vom Krimkrieg 1853 bis zum zweiten Tschetschenienkrieg, hält Thomas fest. Er lernt, dass Ver- und Vorstoße gegen das Völkerrecht Konstanz haben, wie auch die sakral-religiöse Vereinnahmung des Krieges und die völlige Enthemmung von Kriegsstategien, wie sie etwa der Psychoanalytiker Jurko Prochasko in seinem Beitrag beschreibt. Das ist auch als Mahnung für die Zukunft zu verstehen, schließt der sichtlich betroffene und überzeugte Kritiker.
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