Die oft als "Biologismus" bezeichnete Vorstellung, dass die menschliche Psyche nicht nur eine biologische Grundlage hat, sondern darüber hinaus auch über biologische Prozesse erklärt werden kann, hat in den letzten Jahrzehnten einen besonderen Auftrieb erhalten, insbesondere durch spektakuläre Erfolge der biologischen Wissenschaft. Es wird dargelegt, dass diese Vorstellung in einer alten Misskonzeption der Psychologie ihre Wurzeln hat, nämlich dass sich psychische Prozesse generell im Sinne einer Naturwisschenschaft, also in Form allgemeinverbindlicher Regeln (Gesetze), beschreiben lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2005
Manfred Veldens Studie liest sich wie das Buch zur aktuellen Debatte zwischen Neurowissenschaftlern und Psychologen, stellt Christian Geyer fest. Der Autor will klar stellen, dass die Vorstellung, alle psychischen Prozesse mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden beschreiben zu können, eine "Illusion" sei, da die Psyche nicht auf "verbindliche Regeln" festschreibbar sei, wie der Rezensent erläutert. Er betont aber, dass Veldens "herzhafte Provokation" dennoch kein bloßes "antinaturalistisches Manifest" sei, weil er sich nach eigenen Angaben nicht gegen naturwissenschaftliche Methoden in der Psychologie, sondern vielmehr gegen "die Psychologie als Naturwissenschaft" wendet. Den "besonderen Reiz" der Untersuchung sieht Geyer in Veldens "überzeugendem" Nachweis, dass der biologistische Ansatz in der Psychologie die grundsätzliche "Komplexität und Unvorhersehbarkeit" psychischer Prozesse außer Acht lässt. Geyer hat dieses "gut lesbare, erfrischend polemische Buch" gern gelesen und freut sich schon auf die zu erwartenden Erwiderungen der Gegenseite.
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