Thomas Arnold, Thomas Fuchs

Das unersättliche Selbst

Phänomenologie des Narzissmus
Cover: Das unersättliche Selbst
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518588475
Gebunden, 200 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Narzissmus ist allgegenwärtig - als Modewort, moralischer Vorwurf, Gesellschaftsdiagnose oder klinischer Befund. Doch was verbirgt sich dahinter? Und warum sind narzisstische Menschen nicht zufriedenzustellen - unersättlich? Thomas Arnold und Thomas Fuchs entwerfen in ihrem grundlegenden Buch eine neue, phänomenologisch-existenziale Sicht des Narzissmus. Das narzisstische Selbst- und Weltverhältnis erweist sich hier als Ausdruck einer existenziellen Leere: eines leiblich gespürten Mangels an Selbstwert, der durch äußere Bestätigung, Attraktivität oder Macht nie dauerhaft gestillt werden kann. Zugleich ist der Narzissmus ein Spiegel der spätmodernen Seele, und gerade in einer Kultur der Individualisierung - von Social Media bis Therapie, von Echo bis Instagram - gilt es zu verstehen, warum Bestätigung von außen niemals satt macht. Arnold und Fuchs führen philosophische, soziologische, psychologische und psychodynamische Erkenntnisse zusammen, um zu einem tieferen Verständnis für die Strukturen narzisstischer Subjektivität in Individuum und Gesellschaft zu gelangen. Gibt es auch gesunden Narzissmus? Wieso sind echte Begegnungen für Narzissten so schwierig? Und was haben Virtualität, Verschwörungstheorien und extreme Politik mit Narzissmus zu tun? 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2026

Rezensent Eckard Goebel konstatiert einen "Trend zur Frivolisierung des Narzissmus", dem dieses Buch des Philosophen Thomas Arnhold und des Psychiaters Thomas Fuchs glücklicherweise entgegentritt: Die digitale Welt verführt zu narzisstischen Posen, doch die klinische Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist noch einmal etwas anderes. Die Autoren erklären anhand von Koryphäen wie Heinz Kohut und Otto Kernberg, dass Narzissmus aus fehlender Zuneigung entsteht, die einem mangelndes Selbstwertgefühl verursacht, "Selbstsucht ist das Gegenteil von Selbstliebe", zitiert Goebel ihre pointierte Zusammenfassung. Die Schilderungen vom Leid der Narzissten vermögen es, bei ihm Mitgefühl zu erzeugen, sowohl für die Kranken als auch die, die zu ihren Opfern werden, interessant findet er auch die Diskussion therapeutischer Optionen, die zum Beispiel auch Körpertherapie involvieren. Besonders gefällt dem Kritiker auch, wie phänomenologisch auf das Zeitempfinden der Narzissten eingegangen wird, die weder Vergangenheit noch Zukunft spüren können. Einzig die Ausflüge zur Existenzphilosophie von Heidegger und Sartre wissen ihn nicht zu überzeugen.7

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