Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Mit Bildern von Manu Larcenet. Ein kleines Dorf im deutsch-französischen Grenzgebiet kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Als der Außenseiter Brodeck eines Abends das Wirtshaus betritt, wird er Zeuge einer schauerlichen Szene: Soeben hat die Dorfgemeinschaft
kollektiv einen Fremden ermordet. Die Bewohner verlangen von Brodeck, einen Bericht zu verfassen, der die Tat rechtfertigen soll. Doch je mehr er über die Hintergründe erfährt, desto weniger ist er bereit, die Wahrheit zu beschönigen. So wird er selbst zur Zielscheibe der Dorfbewohner… Mit Philippe Claudels Bestseller Brodecks Bericht hat sich Manu Larcenet erstmals an eine Adaption gemacht und der tragisch-düsteren Erzählung Leben eingehaucht.
Ralph Trommer findet Manu Larcenets Comic-Adaption des Romans von Philippe Claudel gelungen. Die beklemmende Geschichte um einen von einer elsässischen Dorfgemeinschaft geplanten und begangenen Mord kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vermag ihm der Autor aller Fährnisse des Unternehmens zum Trotz kongenial eindringlich und stimmungsvoll zu vermitteln. Die ästhetische Dichte der Vorlage erreicht der Autor nicht nur, sondern übertrifft sie laut Trommer sogar in kontrastreichem Schwarzweiß und mittels Schattenrissen. Zeit und Ort der Vorlage hingegen blendet Larcenet aus und schafft so eine überzeitliche Atmosphäre von Angst und Gewalt, eine zeitlose Parabel auf den Krieg, so Trommer.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2017
Erst Manu Larcenets Comic-Adaption von Philipp Claudels 2007 erschienenem gleichnamigen Roman macht das Werk zum Meisterstück, staunt Rezensent Christoph Haas. Warum? Weil Larcenet aus der Geschichte um den jüdischen Brodeck, der von einer Mordbande aufgefordert wird, schriftlich ihre Beweggründe darzulegen, alles Überflüssige herausstreicht, lobt der Kritiker: Wo der Autor, Dramatiker und Filmregisseur gerade in den Glücks- und Liebesschilderungen bisweilen zum Kitsch neige, kürzt Larcenet drastisch und verzichtet dank konzentrierter Panels gelegentlich auch ganz auf den Text, informiert der Rezensent. Nur wenn Larcenet aus den Besatzern und KZ-Aufsehern "drachenartige Monster" macht, findet Haas Claudels "mörderische Biedermänner" überzeugender.
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