Marc Bloch

Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers

Cover: Apologie der Geschichtswissenschaft oder Der Beruf des Historikers
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2002
ISBN 9783608941708
Gebunden, 280 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Nach der von Etienne Bloch edierten französischen Ausgabe. Herausgegeben von Peter Schöttler und aus dem Französischen übersetzt von Wolfram bayer. Mit einem Vorwort von Jacques Le Goff. Das Werk war ursprünglich 1949 von Lucien Febvre herausgegeben worden, der noch nicht alle Manuskripte zur Verfügung hatte und darüber hinaus einige Eingriffe in den Text vornahm. nun liegt erstmals der vollständige und authentische Text dieses epochalen Werks der modernen Geschichtswissenschaft vor. Er wurde von Grund auf neu ins Deutsche übertragen. Das Buch bietet wertvolle Einblicke in das Selbstverständnis und die Denkweisen moderner Geschichtsforschung, in die Ziele, aber auch Grenzen historischer Erkenntnis, in die Methodik und nicht zuletzt auch in die Ethik dieser "Wissenschaft in Bewegung".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2002

In einem höchst aufschlussreichen Artikel erläutert Marie Theres Fögen, unter welchen Bedingungen Marc Blochs 1941 entstandene "Apologie der Geschichtswissenschaft" entstanden ist und warum sie heutzutage als Grundlagentext der Geschichtswissenschaft gilt. Bloch, Professor für mittelalterliche Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Pariser Sorbonne, lenkte seinen Blick weg von der Ereignisgeschichte hin auf den Alltag, die Religion, die Sitten, die Mentalitäten, erklärt Fögen. In seiner "Apologie", schreibt sie weiter, streitet er emphatisch für die Methode der Quellenkritik, spottet über den Drang der Historiker, unbedingt einen "Ursprung" ausfindig machen zu wollen und warnt vor dem in seiner Zunft verbreiteten Kausalitätsdenken. Der Text ist also eine Pflichtlektüre für jeden Historiker, stellt Fögen fest und fragt, was ihn darüber hinaus heute aktuell macht. Denn sein Zündstoff sei verpufft, die alten "Feinde" längst erledigt. Der Reiz des Textes besteht für Fögen in der Tatsache, dass dieser mittlerweile selbst Gegenstand der Geschichtswissenschaft geworden ist. Im übrigen verweist sie auf die vorzügliche Bloch-Biografie von Ulrich Raulff aus dem Jahr 1995.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.07.2002

Stefan Rebenich erläutert zunächst die Vorgeschichte dieses Buches, das nun in einer Neubearbeitung erscheint: Bloch, Wirtschaftshistoriker und mit Lucien Febvre Begründer der französischen Annales-Schule, die Wirtschafts-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte miteinander verflicht, hatte die "Apologie" zum Wert historischer Erkenntnis Anfang der 40er Jahre für seinen kleinen Sohn begonnen und nicht mehr zu Ende gebracht: Bloch war Mitglied der "Résistance" und wurde 1944 ermordet. Die nach dem Krieg durch Febvre besorgte Veröffentlichung des Textes wurde erst in den 90-er Jahren durch eine genauere französische Studienausgabe ersetzt. Aber lohnt eine solche Neuedition überhaupt? fragt Rebenich Unbedingt, meint er. Blochs dialektische Verbindung von historischer und Gegenwartserkenntnis sei nach wie vor bestechend luzide und eine passende Antwort auf die neuerliche Renaissance positivistischer Konstruktionen à la R. J. Evans oder auch neo-nationaler Anwandlungen der jüngeren französischen Historiographen. Vor allem imponiert Rebenich Blochs handwerkliches Selbstverständnis eines Historikers, der präzise Quellenarbeit leisten muss statt geschichtsphilosophischer Spekulation. Ein Buch, so Rebenich, das zu den Ursprüngen der in die Jahre gekommenen Annales-Schule zurückführt, die sich neuerdings durch einen Trend zum autobiografischen Essay und eher affirmative Selbstvergewisserung ihrer Wurzeln auszeichne.
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