Ridley Scotts Erfolgsfilm "Gladiator" lenkte vor zwei Jahren die Aufmerksamkeit auf ein Filmgenre, das man seit 35 Jahren tot geglaubt hatte und das nun vor einer Renaissance zu stehen scheint: der antike Monumentalfilm, oft auch etwas geringschätzig als "Sandalenfilm" bezeichnet. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass Monumentalfilme wie "Ben Hur", "Quo Vadis", "Spartacus" oder jetzt "Gladiator" das populäre Bild von der römischen Antike weit mehr geprägt haben als die traditionellen Informationsquellen zur alten Geschichte. Film ist die dominierende neue Kunstform des 20. Jahrhunderts gewesen und wird es - in raschem technischen Wandel - wohl auch auf absehbare Zeit bleiben. Wenn sich dieses Medium dem Thema "Geschichte" zuwendet, dann verwandelt es sich in die perfekteste Zeitmaschine, die der Menschheit je zu Gebote stand. Was jedoch den Realitätsgehalt des Films angeht, so spielen Aspekte wie z. B. der aktuelle Forschungsstand zum Thema, technische Sachzwänge, künstlerisches Stilwollen oder die Erwartungshaltung des Publikums keine geringere Rolle, als dies in herkömmlichen Darstellungsformen der Fall war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2004
In einer breit angelegten Kritik bespricht Uwe Walter Marcus Junkelmanns Studie zum amerikanischen Antikenfilm. Eine "ambitionierte Gesamtschau" von hundert Jahren Historienfilm will dieses Buch zwar nicht sein, baut der Rezensent allzu hohen Erwartungen vor. Stattdessen hat Junkelmann an die sechs Hollywood-Filme "ausführlicher" behandelt, erklärt Walter, der in der Studie jede Menge "aufschlussreicher, oft amüsanter Details" gefunden hat. Er lobt den Autor nachdrücklich für seine "lebendige" Schreibweise und attestiert ihm "weitgespannte Kenntnisse" der Filmwissenschaft. Dazu führen die vielen Illustrationen des Bandes zu "klugen Beobachtungen" durch den Autor und sind stets eng mit dem Text verbunden, so der Rezensent sehr angetan. Als besonders "spannend" hebt Walter die von Junkelmann dargestellte Entwicklung des Filmgenres aus der Historienmalerei und dem historischen Roman hervor. Am ausführlichsten behandelt das vorliegende Buch den Film "Gladiator" von Ridley Scott, informiert der Rezensenten, den das deshalb nicht verwundert, weil er weiß, dass Junkelmann eine Studie über die Waffen und die Kampfpraktiken der Gladiatoren im alten Rom veröffentlicht hat und somit als Kenner des Gladiatorenwesens gelten kann. Der Rezensent macht als Intention dieses Buches die "aufklärerische Hoffnung" aus, dass Historiker und Filmregisseure enger zusammenarbeiten sollten, um Fehler zu vermeiden und statt Verfälschungen der Antike "gute" Filme zu machen.
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