Maren Kames

Luna Luna

Cover: Luna Luna
Secession Verlag, Zürich 2019
ISBN 9783906910673
Gebunden, 108 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

"Luna Luna" ist ein dunkler Text. Er ist rasend und atemlos und spricht von tief innen aus dem weit offenen Gaumenraum heraus. Es geht um die dünne Wand zwischen Traum und Trauma, um dünne Haut, um eine Gans aus Pappmaché und den Bären, den sich eine aufbindet, um sich gegen den Wind zu schützen. Ums Verlieren und Verletzen geht es. Um einen Krieg, der vielleicht nie stattgefunden hat und doch in jeder Pore präsent ist. Motive, Figuren und Sätze schubsen sich wie Autoscooter durch die Textgalaxie, beschleunigen, karambolieren, knallen gegen unsichtbare Banden, werden in schwarzen Löchern verschluckt. Und über allem hängt die Luna, ein Fixpunkt für die Höhe der Sehnsucht, leuchtend, wahnsinnig und selber rastlos. Eine Luna, die am Ende in einem Sturz aus ihrer Umlaufbahn heraus aufs Wasser fällt wie ein glühender Ofen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.12.2019

Wer sich auf dieses "wild ausufernde Langgedicht" einlässt, muss sich darauf gefasst machen, dass ihm der Sinn hinter dem Text immer wieder zu entgleiten droht, warnt Rezensent Samir Sellami. Maren Kames entwirft hier eher einen Kosmos als eine Geschichte, und dieser mondsüchtigen Welt aus Anspielungen auf Pop-Songs und taumelnden Sprachgebilden ist nicht leicht beizukommen, erklärt der Kritiker. Aber auch wenn die Autorin die Fantasie ihrer Leser*innen zuweilen an ihre Grenzen zwingt, lohnt sich der Text, wie Sellami versichert: Er wurde gezwungen, sich ganz auf Sounds, Sätze und Wörter zu konzentrieren und erhielt als Belohnung herrliche Spielereien wie den Vers "zwischen schlaf und wachsein / liegt der schwachsinn / und lacht."

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.12.2019

Für Richard Kämmerlings ist Maren Kames' Buch der Gedichtband des Jahres. Wie die Autorin den Mond beschwört, in Form eines Versepos oder Langgedicht, wie Kämmerlings schreibt, formal frei Film, Musik, Transitorte jonglierend, mal wie eine Teufelsaustreibung, mal als Dialog mit Lyrics von Alphaville oder The National, scheint Kämmerlings stark. Der Rezensent liest den Band als eine Art dramatische "Beziehungsabwicklung". Seine opulente gestalterische Aufmachung verspricht nicht zuviel, findet er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2019

Von wegen Ende des Buches und Ende der Lyrik. Christian Metz feiert das riskante lyrische Experiment, grenzüberschreitend virtuos, durchdacht bis in die Gestaltung. Berauschend findet der Rezensent, wie Maren Kames den Mond besingt, Klänge, Bilder, Stimmen übereinanderschichtend und den Leser auf eine Reise durch Clips und Sounds schickend, die Metz, Lyrics und Interpreten googelnd, gerne antritt. Und wozu all das Überschreiben, die Vielstimmigkeit? Für eine neue Sprache des Gefühls, stellt Metz fest. Eine erhellende, erweiternde Lektüreerfahrung, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.08.2019

Rezensent Michael Braun schwärmt in den höchsten Tönen von diesem Werk der jungen Autorin Maren Kames, das der Kritiker als "poetisch-musikalisches Gesamtkunstwerk" preist. Schon die Aufmachung des Buches - weiße Lettern auf schwarzem Papier - entzücken den Kritiker: Wie "funkelnde Sterne am Texthimmel", meint er. Und so lässt er sich fasziniert ein auf den Assoziationsreigen der Autorin, die ihm hier von Liebeshoffnungen, Ich-Spaltungen und Kriegsvisionen erzählt und dabei Annie Lennox und David Bowie ebenso wie Friedrich Schiller erklingen lässt. Von dieser vielstimmigen "Mondfantasie" hat sich Braun gern hypnotisieren lassen.

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