Glücklichere Tage
Roman

Eisele Verlag, München 2026
ISBN
9783961612796
Gebunden, 544 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem kanadischen Englisch von Monika Baark. Mit einem Nachwort von Helene Bukowski. Morag Gunn ist Schriftstellerin und lebt auf einer Farm am Fluss. Als ihre Tochter Pique über Nacht verschwindet, gerät Morags Gegenwart ins Schwanken, und sie fühlt sich in ihre eigene Jugend zurückversetzt: Vor ihr inneres Auge treten nicht nur ihre Kindheit am Rand der Gesellschaft in der Präriestadt Manawaka, sondern auch jene späteren Entscheidungen, Lieben und Irrtümer, die sie prägten - und der fortwährende Versuch, sich selbst und ihre Freiheit zu behaupten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.06.2026
Toll, findet, Rezensentin Julia Schröder, dass dieser vierte Roman der Manwaka-Reihe der kanadischen Schriftstellerin Margaret Laurence nun auf Deutsch vorliegt. 1974 ist er ursprünglich erschienen und er stellt Morag Gunn ins Zentrum, eine Frau, die in ihrer Kindheit viele Entbehrungen ertragen musste, später Reporterin und Ehefrau wurde, jetzt eine bekannte Schriftstellerin ist, alleine in einer Blockhütte lebt und schreibt. Die Erzählung setzt immer wieder in dieser Blockhütte an und bewegt sich einerseits zurück in die Vergangenheit, andererseits vorwärts in die Zukunft. In den Blick gerät dabei eine vergangene Liebesgeschichte zwischen Morag Gunn und einem Mitschüler und gleichzeitig auch die schwierige Kolonialgeschichte Kanadas - indigene Schicksale werden ebenso verhandelt wie die französischer Siedler. Klarsichtig, aber keineswegs aufdringlich schildert Laurence, wie hart die Mainstreamgesellschaft in Kanada mit Außenseitern, auch mit Frauen umgeht. Im engeren Sinne autobiografisch ist die Geschichte zwar nicht, aber laut Schröder greift Laurence in dem Buch durchaus auf eigene Erfahrungen insbesondere als schreibende Frau zurück. Entstanden ist jedenfalls ein weiterer starker Roman über ein eindrückliches Frauenschicksal. Eine Entdeckung, findet Schröder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2026
Rezensentin Lerke von Saalfeld ist froh, dass das Werk der Kanadierin Margaret Laurence dank des Eisele-Verlags nun auch in Deutschland entdeckt werden kann. Ihr letzter großer Roman, der in Kanada mit dem renommierten Governor General's Award ausgezeichnet wurde, handelt von Morag Gunn, einer Frau, die mit ihrer Autorin einiges gemein habe: Sie wohnt in der Provinz, hat ein paar gescheiterte Beziehungen hinter sich und kämpft als Journalistin und Autorin um Anerkennung, sie ist alleinerziehende Mutter, ist selbst adoptiert, erfahren wir. Laurences Sprache ist ruhig und unaufdringlich, lobt Saalfeld, aber höchst variabel und aufmerksam den Figuren gegenüber, sodass hier ein großes kanadisches Epos entstehe. Dass Margaret Atwood die Autorin als "Säulenheilige" bezeichnet, ist für die Kritikerin nur gerechtfertigt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.04.2026
Margaret Laurence gehört in Kanada schon lange zum Kanon, weiß Rezensentin Manuela Reichart. Im deutschsprachigen Raum bleibt diese großartige Autorin noch zu entdecken. Nun ist Laurence' 1974 im Original veröffentlichter Roman "The Diviners" erstmals in deutscher Übersetzung erschienen und bietet somit endlich Gelegenheit dazu, freut sich die Rezensentin. "Glücklichere Tage" ist in mehrerlei Hinsicht eine Emanzipationsgeschichte, stellt Reichert fest. Der Aufbruch einer jungen Frau, die ihre Herkunft erforschen will, wird für deren Mutter - die Schriftstellerin und Erzählerin des Romans, Morag Gunn, zum Anlass, über ihre eigene Vergangenheit nachzudenken. Virtuos springt Gunn zwischen Zeiten, Orten und Themen, verknüpft Erinnerungsfragmente, erzählt vom Tod ihrer Eltern, dem Aufwachsen in ärmlichen Verhältnissen und von ihrem Studium, wie sie ihrer Herkunft entkommen konnte, wie sie sich aus einer in jungen Jahren eingegangenen Ehe befreite und wie sie ihre Sexualität erforschte, lobt die Kritikerin. Allein die Leichtigkeit, mit der diese Autorin Sex beschreibt, ist für Reichart eine Offenbarung. Schon dafür würde sich die Lektüre lohnen. Aber Laurence kann mehr als gute Erotik-Szenen schreiben, so die Rezensentin, zum Beispiel gewinnbringend über das Wesen der Erinnerungen reflektieren oder über das Schreiben selbst bzw. das Nicht-Schreiben als Mutter, wie Helene Bukowski erklärt - in ihrem Nachwort zu diesem "außergewöhnlichen Roman" einer bedeutenden Autorin.