David Wojnarowicz

Waterfront Journals

Cover: Waterfront Journals
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518225639
Gebunden, 186 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Marcus Gärtner. David Wojnarowicz gibt den Misfits Amerikas eine Stimme. Es sind die späten 70er, Wojnarowicz lebt auf der Straße, zieht kreuz und quer durch ein riesiges, verkommenes Amerika. Die Illusionen ist er los, aber die Menschen, die er trifft, liebt er, unbeirrbar - die Stricher, Pfarrer, Junkies, Soldaten, Trucker, Träumer, Ausreißer, die sich irgendwie durchschlagen, gestrandet in Bars und Stundenhotels, auf Hinterhöfen, an den Rändern der Gesellschaft, auf den gottverlassenen Nebenschauplätzen des Lebens. Ihnen allen gibt Wojnarowicz Stimme und Würde, indem er ihre Begegnungen in einen grellen Bilderstrom aus fiktiven Monologen verwandelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.02.2026

Einfach war es für David Wojnarowicz sicher nicht, hält Rezensentin Isabella Caldart fest: Er kommt aus einer kaputten Familie nach New York, lebt auf der Straße, wird Fotograf, Künstler, Aktivist - und schreibt dieses Journal. Um Prostitution geht es, um Drogen, um Kriminalität, um das Milieu im New York der 1970er und 80er-Jahre. Die um Einsamkeit und Gewalt kreisenden Geschichten entwickeln für Caldart einen unglaublichen Sog, vermittelt durch die lebensnahe Sprache, ihr kommt es fast vor, als würde sie in einem New Yorker Park den Beichten der Figuren lauschen. Auch politisch ist das Buch für sie bedeutend: Wojnarowicz, der an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung gestorben ist, hat sich darin für die Leute am Rand stark gemacht. Ein Wermutstropfen ist für die Rezensentin allerdings die Übersetzung, die einiges an Zeit- und Lokalkolorit nicht einzufangen vermag. Sie hofft, dass auch der Nachfolger nun bald auf Deutsch erscheinen und uns die raue Zärtlichkeit des Autors weiter zeigen kann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.01.2026

Rezensent Nico Bleutge empfiehlt die in den 70er Jahren in den USA spielenden autobiografisch grundierten Texte des US-amerikanischen Allroundkünstlers David Wojnarowicz. Darin begegnen dem Leser Hobos, Dealer und Ex-Knackis, doch der Ton ist laut Bleutge dennoch teilweise euphorisch. Das liegt an der Verschränkung von Schönheit und Zerstörung, auf die die Texte laut Bleutge abheben. Der Duktus ist direkt, die Figuren erzählen selbst aus ihrem Leben, erklärt der Rezensent. Die Übersetzung findet Bleutge mitunter altbacken, doch im Ganzen gelungen in der Abbildung der Umgangssprache.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2025

Eine beeindruckende Zeitreise unternimmt Rezensent Paul Jandl mit diesem Buch. Der Autor und Künstler David Wojnarowicz entführt ihn in das New York der 1970er Jahre, in die Welt der Stricher und Kleinkriminellen, der Wojnarowicz damals selbst angehörte. Es war eine wilde, gefährliche Welt, fasst Jandl seine Leseeindrücke zusammen, Polizisten und gewalttätige Freier gefährdeten das Leben der jungen Männer und auch Frauen, die damals auf der Straße lebten, viele Elternhäuser, darunter Wojnarowicz' eigenes, waren ebenfalls von Gewalt geprägt. Die einzelnen Texte, aus denen dieses Journal besteht, sind oft recht kurz und erinnern Jandl einerseits an Tagebucheinträge, andererseits an Seiten eines Bilderalbums - stets beginnen sie damit, dass die jeweils handelnde Person vorgestellt wird. Zumindest einige der Texte, vermutet Jandl, sind vermutlich autobiografisch im engeren Sinne. Insgesamt, so das Fazit, ergibt das ein faszinierendes Stück Literatur über die Ausgestoßenen der amerikanischen Gesellschaft.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…