Dieser Beitrag zur schweizerischen Wirtschaftsgeschichte in den dreißiger und vierziger Jahren erhellt eine ebenso spannende wie zentrale Thematik: den Aufbau und die Entwicklung des wirtschaftspolitischen Lobbyismus in der Schweiz. Der krisenhafte Modernisierungs- und Integrationsprozess in der Schweiz der Zwischenkriegszeit erfasste nicht nur die politische Linke, er veränderte auch nachhaltig die bürgerliche wirtschaftspolitische Landschaft. Als Gegenreaktion zur teilweisen Einbindung der Sozialdemokratie und den Tendenzen zum verstärkten staatlichen Interventionismus bildeten sich Bewegungen, die zur Wahrnehmung privatwirtschaftlicher Interessen neue Formen der Beeinflussung von Politik und Gesellschaft anwandten. Der Autor hat zentrale Archivbestände des Archivs für Zeitgeschichte der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich ausgewertet. Am Beispiel von Robert Eibel, dem forschen Trumpf-Buur-Publizisten, wird paradigmatisch das weitverzweigte Beziehungsgeflecht zwischen diesen Bewegungen analysiert, eindrücklich verdichtet durch zahlreiche Kurzbiographien im Anhang.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2000
Nach Katharina Bretscher-Spindler versucht der Autor in dieser "differenziert beurteilenden, sachlich darstellenden und trotzdem leicht lesbaren Dissertation" nicht nur die Frage aufzuwerfen, inwiefern die Schweizer Rechtsbürgerlichen tatsächlich eine Nähe zu faschistische Gedanken zeigen, sondern vielmehr könne Werner auch "historische Antworten geben". Werner hat dafür, wie der Leser erfährt, verschiedene rechtskonservative Verbände aus der Zeit von 1928 bis 1947 (die teilweise heute noch existieren) untersucht. Interessant scheint der Rezensentin, dass die vom Autor untersuchten Quellen tatsächlich in keiner Weise Anhaltspunkte dafür ergeben, dass diese Organisationen mit nationalsozialistischen Zirkeln in der Schweiz und in Deutschland direkt zusammen gearbeitet haben. Allerdings habe es in ideologischer Hinsicht durchaus Überschneidungen gegeben. Besonders interessant scheint der Rezensentin Werners Fazit, dass die Schweizer Rechtskonservativen von heute besonders hinsichtlich der Kommunikationsformen überraschend große Ähnlichkeit mit den Organisationen der Zwischenkriegszeit aufweisen. Dies scheint der Rezensentin geradezu ein Warnsignal zu sein, und so äußert sie die Ansicht, dass Werners Buch "den Blick für die Aktualität" schärft.
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