Singularitäten bezeichnen ein methodisches und ein erkenntnistheoretisches Skandalon: Die Einzigartigkeit eines Geschehens, etwa eines historischen oder diskursiven Bruchs, kann nicht einfach als Gegensatz zum Begriff des Allgemeinen oder des Normativen gefaßt werden. Der vorliegende Band präzisiert Figuren des Singulären in ihrer Vielfältigkeit: im Blick auf literarische Produktionsverfahren und Darstellungsmodi von Wissen, auf den Akt des Lesens, auf subjekt-, gender- und institutionstheoretische Implikationen; als ethische Figur, als Figur von Zeugenschaft und Stellvertretung, als Frage nach dem Verhältnis von Eigenem und Fremdem, als ökonomisches Moment sowie als Moment des Vergessens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2002
Wer weiß mehr über den anderen: die Literatur über ihre Leser oder die Leser über die Literatur, greift der mit "kru" zeichnende Rezensent eine grundlegende Frage auf, die sich laut "kru" bereits Plato gestellt hat. Dieser Grundfrage sind auch, berichtet der Rezensent, die Autorinnen und Autoren in dem von Marianne Schuller und Elisabeth Strowick herausgegebenen Sammelband nachgegangen und schlagen im Resümee eine "strukturelle Verschränktheit" zwischen Literatur und Leser vor. Das gesamte, nach Kategorien wie "Ökonomie/Ethik" und "Genre/Subjekt" angelegte Projekt ist von einer "ehrgeizigen Perspektive" gekennzeichnet, findet "kru". Literatur werde hier nach den Ansätzen "Poetologie der Poesie" und "Poetologie des Wissens" von Hölderlin bis Nelly Sachs analysiert. Was "kru" nun vom Ergebnis hält, lässt er in seiner sehr kurzen Besprechung offen.
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