Noch sind die Tage ungetrübt. Die junge Nadeshda fährt nach Amsterdam, um dort ihren Geliebten Ilja zu treffen. Sie hat Schuhe mit den höchsten Absätzen an und phantasiert sich Iljas Küssen entgegen. Doch was als lustvolle Reise beginnt, wirft Nadeshda völlig aus dem Gleichgewicht, bringt sie an ihre Grenzen und verändert ihre ganze Wahrnehmung von ihrer Liebe und sich selbst. Denn Nadeshda muss erkennen, dass sie in ihre Träume, Sehnsüchte und merkwürdig robusten Hoffnungen verstrickt ist, obwohl sie es besser hätte wissen können. Obwohl sie hätte sehen müssen, dass ihr Wunsch, den verheirateten Ilja ganz für sich zu gewinnen, nie in Erfüllung gehen wird. Denn Ilja hat sie nie hinters Licht geführt: Von der ersten Begegnung an sprach er davon, dass ihre Liebe keine Zukunft haben könne. Das hindert ihn aber keineswegs daran, Nadeshda dennoch weiterhin seine Liebe zu erklären.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2011
Nicht wirklich geglückt scheint dieser Roman der Rezensentin Andrea Diener. Marica Bodrozic erzählt darin von der Liebe einer Frau zu einem verheirateten Mann, wobei man sich dieses Erzählen, baut Diener falschen Erwartungen an dieses als Roman deklariertes Buch vor, weniger als einen chronologisches Erzählfluss vorstellen muss denn als einen permanenten Bewusstseinsstrom. Bodrozic türmt Gedanken, Erinnerungen, Fragen aufeinander und lässt Assoziationen und Traumsymbolen solch freien Lauf, dass die Rezensentin hier eher die Stimme der Psychoanalytikerin Bodrozic erkannte als die der Erzählerin. Der Sachlage sei dies nicht immer dienlich, lässt die Rezensentin deutlich erkennen, der die Innerlichkeit des Buchs auch etwas zu "provozierend" war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.08.2010
Burkhard Müller erkennt in "Das Gedächtnis der Libellen" eine gereifte Autorin und spricht dem Roman eine "große und originelle Humanität" zu. Was hier so gradlinig erzählt wird, die große Liebe der Erzählerin zu einem "Liebesschuft" - ihre Eltern hatten sie einst in der dalmatinischen Heimat zurückgelassen und sind nach Amerika ausgewandert -, hätte auch langweilig geraten können, meint der Rezensent. Dass der lange Monolog von Nadeshda es nicht ist, das liegt nicht zuletzt an der intensiven und höchst anschaulichen Sprache, die die Hände einer geliebten Person beispielsweise derart individuell und originell zu schildern vermag, dass dieser Mensch unverwechselbar wird, so Müller beeindruckt. Mit der Geschichte des Vaters, der neben dem Töten und Sammeln von Libellen offenbar auch Schlimmeres auf dem Gewissen hat, kommt zwar ein ziemlich unanschauliches und damit unüberzeugendes Moment in das Buch. Am Ende findet es der Rezensent aber sogar ganz erleichternd, dass dies nicht so genau enthüllt wird, denn mit dem Jugoslawien-Krieg, der als Folie dieser Geschichte stets durchscheint, sind schon genug "Finsternisse" präsent, findet Müller.
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