Marietta Auer entwirft eine soziologisch informierte Ideengeschichte des modernen Privatrechts. Die Abhandlung fordert einen Blickwechsel: Gefragt wird nicht nach der Begründbarkeit, sondern nach den Voraussetzungen sozialer Wirksamkeit eines als normative Einheit auf der Grundlage von Privatautonomie konstruierten Privatrechts. Welcher Problemzumutung, welchem gesellschaftlichen Rechtfertigungsbedarf begegnet das Rechtsdenken durch diese Konstruktion? Wie ist die faktische Kraft des Normativen zu erklären, die das "liberale" Privatrechtsmodell bis in die Gegenwart hinein wirksam gegen Kritik immunisiert? Der Schlüssel zu einer Antwort liegt in der Ideengeschichte der Moderne seit der Wende zur Neuzeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2014
Bahnbrechende Privatrechtstheorie erkennt Milos Vec in Marietta Auers Dissertation. Kühn scheint ihm, wie die Autorin in ihrem Buch Privatrechtsdenken mit philosophisch-soziologischer Reflexion und historischen Quellen aus vier Jahrhunderten kurzschließt, um Privatrecht zugleich zu kritisieren, zu dekonstruieren und zu retten. Der Effekt: Ein Diskurs zwischen Epochen, Rechtskulturen und Denkschulen, der den Rezensenten angenehm fordert. Hinzu kommt für Vec die Form der Arbeit. Unkonventionell meint hier stilistischen Mut, Mut zur Auslassung und Kürze. Vec gefällts. Ein Buch für Juristen und alle, die sich für Rechts- und Sozialphilosophie interessieren, meint er, auch wenn für ihn die Zeit um 1800 im Buch durchaus blass bleibt. Wenn die Autorin die Moderne erkundet und den Begriff des Eigentums ins Spiel bringt, scheint Vec von Auers Argumentation allerdings überzeugt.
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