Karl-Heinz Ladeur setzt einen Kontrapunkt zu der in der Staats(rechts-)wissenschaft vorherrschenden Fixierung auf die "Rationalität des Öffentlichen", die die Priorität der politischen Reflexionsprozeduren gegenüber der distributiven Rationalität der "Privatrechtsgesellschaft" (F. Böhm) behauptet. Dem postmodernen Staat fehlt es - anders als dem liberalen - an einer angemessenen Beschreibung der Gesellschaft: Dies verleitet ihn dazu, ständig seine Grenzen zu überschreiten und die Gesellschaft "steuern" zu wollen. Demgegenüber vernachlässigt er seine Aufgabe der Institutionenbildung. Dies wird theoretisch wie an praktischen Gegenständen, Formen und Paradigmen staatlicher Entscheidung demonstriert. Es zeigt sich, dass der Staat die Probleme der Anpassung der Gesellschaft wie der Individuen und Organisationen an die neuen Möglichkeiten jenseits des Wohlfahrtsstaates verschärft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2007
Rezensent Norbert Tofall begrüßt dieses Buch von Karl-Heinz Ladeur, das für ihn die Rettung der Privatrechtsgesellschaft unternimmt. Angesichts seiner Verbitterung über Jürgen Habermas' Zivilgesellschaft, die letztlich zu einem "neo-marxistischen Kollektiv im strahlend weißen Gewand unbegrenzter demokratischer Legitimation" führe, zeigt er sich überaus dankbar für vorliegendes Werk mit seiner Verteidigung der liberalen Privatrechtsgesellschaft. Besonders unterstreicht er dabei die Ausführungen über die Bedeutung menschlicher Kooperation in der liberalen Tradition. Ladeur führe nämlich vor Augen, dass die liberale Privatrechtsgesellschaft und das liberale Recht keineswegs das bindungslose Individuum unterstellten und ansonsten auf einen Sozialdarwinismus setzten, sondern dass immer Erhaltung und Ausbau von Kooperation im Mittelpunkt stünden, auch im Blick auf die gesellschaftliche Selbstorganisation. Zustimmend referiert Tofall dann auch die Kritik Ladeurs an den gesellschaftspolitisch destruktiven Tendenzen der angeblichen Habermas-Fraktion. Auch mit den Einwänden gegen den gegenwärtigen Sozialstaat, der mehr zur Verschärfung als zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitrage, ist er sehr einverstanden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2007
Beeindruckt zeigt sich Rezensent Ludger Heidbrink von diesem Plädoyer für die "Privatrechtsgesellschaft", das der Staatsrechtler Karl-Heinz Ladeur vorgelegt hat. Er würdigt das Werk, das sich vordergründig als rechtswissenschaftliche Abhandlung präsentiert, als veritable gesellschafts- und kulturkritische Streitschrift. Im Kreuzfeuer der Kritik sieht er den "postmodernen" Staat, der laut Ladeur die freie Entfaltung privatgesellschaftlicher "Eigenrationalität" behindert, indem er mit den Mitteln des Rechts und anderer Steuerungsformen in die sozialen Prozesse einzugreifen versucht. Weil sich der Staat vor allem an sozialen Interessen orientiere und dem Prinzip der gemeinsamen Abstimmung, würden im Blick auf Herausforderungen wie die Integration von Einwanderern, der Umbau der Sozialsysteme oder eine ökologische Wirtschaftspolitik effektive Lösungsstrategien blockiert. Ladeur kritisiere zudem die Auswüchse postmoderner Individualisierung, die falsche Toleranz des Staates gegenüber Forderungen nach persönlicher Identität und sozialer Gerechtigkeit geführt habe. Besonders einsichtig ist Heidbrink Ladeurs Idee eines "kollektiven Liberalismus", in dem Individuen statt nach dem Staat zu rufen, gemeinsame Bindungen aufbauen, um ihre Freiheit zu organisieren, ohne dafür den "Schutz" des Staates in Anspruch nehmen zu müssen.
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