Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Curt Meyer-Clason. Macunaíma vom Stamm der Tapanhumas lebt faul und sorglos im brasilianischen Urwald. Doch als sein Amulett verloren geht, muss er seiner Sippe den Rücken kehren und ausgerechnet nach São Paulo, in die erstaunliche Millionenstadt, wo alles voller Maschinen ist. Der "Held ohne jeden Charakter" gerät dort in Bordelle, Militärparaden und an die Polizei, er begegnet Hexen, Guerilleras und menschenfressenden Industriemagnaten. Und bekommt, unbedarft, wie er ist, die aberwitzigen Sitten seiner Zeit am eigenen Leib zu spüren. "Macunaíma" ist das Hauptwerk des brasilianischen Modernismus. Mit diesem farben- und formensatten Roman werden die europäischen Vorbilder 1928 endgültig vom Sockel gestoßen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.09.2013
Hellauf begeistert ist Christian Thomas über die (editorisch unveränderte) Wiederveröffentlichung dieses im Original bereits 1928, in Deutschland 1982 erstveröffentlichten Klassikers der surrealistischen Literatur Brasiliens, der seinerzeit, wie Thomas anmerkt, eine "fulminante Provokation" darstellte. In dessen Mittelpunkt steht, erfahren wir, ein Dschungelbewohner Macunaíma, der im Urwald seine täglichen Runden dreht, der Zivilisation skeptisch bis ablehnend gegenübersteht und zum Ende hin die Flucht zum himmlischen Firmament anstrebt, weshalb das Sternbild des Großen Bären in Brasilien bis heute den Titel dieses Romans trägt. Eine "tadellose Bizarrerie" stellt dieses Buch dar, in dem nichts einer dem Alltag verpflichteten Logik folgt, so Thomas voller Genuss: Hier blühe inmitten des Dschungels eine vielstimmige Fantasie, die unentwegt und delirant den Regelbruch suche. Ein ausdrückliches Lob geht auch an Curt Meyer-Clason, dessen humorvolle Übersetzung den Rezensenten geradezu taumeln lässt.
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