Sebastiao Salgado

Amazônia

Cover: Amazônia
Taschen Verlag, Köln 2021
ISBN 9783836585118
Gebunden, 528 Seiten, 100,00 EUR

Klappentext

Sebastião Salgado bereiste sechs Jahre lang das brasilianische Amazonasgebiet und fotografierte die unvergleichliche Schönheit dieser einzigartigen Region: den Regenwald, die Flüsse, die Berge und die Menschen, die dort leben - ein unersetzlicher Schatz der Menschheit. Salgado besuchte ein Dutzend indigene Völker, die in winzigen Gemeinschaften über den größten tropischen Regenwald der Welt verstreut leben. Er dokumentierte den Alltag der Yanomami, der Asháninka, der Yawanawá, der Suruwahá, der Zo'é, der Kuikuro, der Waurá, der Kamayurá, der Korubo, der Marubo, der Awá und der Macuxi - ihre herzlichen Familienbande, ihre Jagd und ihren Fischfang, die Art und Weise, wie sie Mahlzeiten zubereiten und teilen, ihre Geschicklichkeit, Gesichter und Körper zu bemalen, die Bedeutung ihrer Schamanen, ihre Tänze und Rituale.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.06.2021

Rezensentin Edith Kresta ist begeistert von Sebastião Salgados neuem Fotoband. Der 77-jährige Fotograf, der sich als Dokumentarist von Krisengebieten in aller Welt einen Namen machte, so Kresta (brasilianische Goldschürfer und ihre schlimmen Arbeitsbedingungen, marokkanische Einwanderer und die Bürgerkriege in Burundi oder Ruanda habe er bereits fotografiert), widmet sich hier indigenen Völkern im Amazonasgebiet und habe in seiner 6-jährigen Arbeit dort sein Seelenheil gefunden, wie die Kritikerin Salgado aus einem Spiegel-Interview zitiert. In eindrücklichen Schwarz-Weiß-Fotografien, in denen sich die Umrisse von Wolken und Flüssen zu ganz neuen Formen zusammenfügen, staunt Kresta, dokumentiert der Fotograf die ganz verschiedenen Lebensstile zwölf verschiedener Völker und liefert dabei ein "pathetisches Pamphlet" für deren Schutz und den Erhalt des Regenwalds, das die Rezensentin anspricht - eine fünf Kilo schwere, "hochkarätige Werbebotschaft", schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.06.2021

Rezensent Bernhard Malmmus spricht dem Fotografen Salgado nicht dessen ehrliche und ehrwürdige Absichten ab. Und dennoch wird "Amazonia" für den Kritiker zum "Zeugnis eines Scheiterns" an den guten Absichten. Dabei traue man Salgado, der selbst aus der dem Gebiet kommt, das er fotografiert und dort seit vielen Jahren als Umweltaktivist tätig ist, die Dokumentation der realen Lebensverhältnisse durchaus zu, meint Malmmus. Doch der Fotograf lässt sich offenbar von seinem Ästhetizismus, seinem Eskapismus, seiner Sehnsucht nach "dem Erhabenen" verleiten - fulminante Luftaufnahmen wechseln sich mit perfekt ausgeleuchteten Porträts indigener Menschen ab, die verbindende Perspektive dazwischen fehlt, genauso wie der reale Lebenszusammenhang der Menschen, Tiere und Pflanzen, lesen wir. Wie schöne Exponate aus einer verlorenen Welt wirken die Fotografien stattdessen. Denn nicht ihre Lebenszusammenhänge bestimmen die Ästhetik dieses Buches, beschreibt Malmmus, sondern verzerrte Idealvorstellungen. Somit, und dies ist Malmmus zufolge der größte Widerspruch von "Amazonia" - einem vier kilo schweren Wälzer mit passendem Buchständer, unterstützt Salgado genau jenen Prozess, den er bekämpfen will: "Die Ersetzung der Welt durch Bilder- und Warenströme".

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