Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. "Kann ein Kuss die Existenz eines Menschen zerstören? Ein Kuss - kein Verbrechen, keine Gewalttätigkeit, kein Verstoß gegen die Regeln: Kann ein einfacher, durchaus banaler Kuss das Geschick eines Menschen aus den Angeln heben und den gesamten Verlauf seines Lebens ändern?" Ein Kuss mit unerhörten Konsequenzen verbindet Menschen im ländlichen Italien mit Londoner Intellektuellen, Mussolinis Soldaten mit der englischen Kolonialgesellschaft in Afrika oder dem einfachen Volk in Russland, Männer mit Frauen und Männer mit Männern. Mitten in dieser weit gespannten Weltkriegskulisse kreuzen sich die Wege einer sizilianischen Familie und eines Piloten der Royal Air Force, die sich am Ende gemeinsam gegen die Herrschaft des Nazifaschismus auflehnen. Doch zuvor müssen sie sich mit ihren kulturellen Befangenheiten und sexuellen Vorurteilen auseinandersetzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2011
Autor Mario Fortunato verbindet hier die ganz große Geschichte mit den Geschichten einiger Individuen, und wenn man Doris Panys Rezension liest, dann gelingt es ihm auf eine rührende, nicht immer perfekte Art. Aber Pany ist dabei, wenn Fortunato dem Leser ein besseres Italien vor Augen stellt und ein Gegenbild zur hässlichen Banalität der Berlusconi-Ära entwirft. Sie erzählt ausführlich nach, wie sich die Personen in den Herausforderungen der großen Geschichte bewähren, und sie lobt Fortunato für den Mut, mit dem er das Motiv der Homosexualität einflicht. Pany ist am Ende so bewegt von dem Roman, dass sie dem Autor einige sprachliche Klischees nachsieht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.01.2011
Geküsst wird hier viel, dabei ist doch Krieg. Zwischen 1940 und 1945 spielt dieser Roman, in Italien, Afrika, Russland. An Figuren ist das Buch reich, im Mittelpunkt eine Familie namens Polidori. Zwei Söhne sind bedingungslose Anhänger des Duce, der Schwiegersohn ist jedoch Sozialist. Privates und Politisches werden in den rasch wechselnden Erzählkonstellationen verquickt, stets allerdings in geradezu programmatischem Reduktionismus so, kritisiert Rezensentin Maike Albath, dass das Private dabei als konstituierende Kraft erscheint. Insgesamt fällt das Urteil der Rezensentin dennoch eher freundlich aus. Gerade in Zeiten des Berlusconismus müsse ein Buch wie dieses, das mehr an den "Grauzonen" als am Eindeutigen interessiert ist, positiv auffallen.
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