Fiume an der Adria. Bis 1918 hat die Hafenstadt zum Habsburgerreich gehört, jetzt rücken italienische Freischärler ein, unter Führung eines berühmten Mannes. Gabriele D'Annunzio, Dichter, Kriegsheld und glühender Nationalist, ruft die Republik aus. In Fiume soll nun der verrückteste Staat der Weltgeschichte entstehen, Politik als Spektakel. Unter D'Annunzios Anhängern: ein gewisser Mussolini. Und Guido Baron Keller von Kellerer und Wolkenkeller. Der tollkühne Flieger, Nudist und Utopist ist besessen von einer Idee aus futuristischen Künstlerkreisen: Will man die morsche Welt von gestern zerstören und eine strahlende neue erbauen, braucht es die Sprengkraft des Wahnsinns. Gesagt, getan. Aus den Irrenhäusern ganz Italiens werden (möglichst ungefährliche) Patienten angefordert. Sie sollen Minister werden im neuen Staat. Und so macht sich auch der Krankenwärter Cherubino auf, um einen freundlichen Axtmörder an die Adria zu begleiten - der Morgenröte einer neuen Zeit entgegen, in die Republik der Irren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.09.2025
Rezensent Moritz Baumstieger bleibt das Lachen natürlich ein bisschen im Schlund stecken angesichts der Satire, die Dirk Stermann um D'Annunzio und seinen temporären futuristischen Zwergstaat in Fiume konstruiert. Die Parallelen zu Trumps Regierungsgrusel sind doch allzu schlagend, meint er. Stermanns Parabel ist allerdings selbst historisch und als solche auch kaum zu überzeichnen, derart verrückt erscheint sie ihm. Gut, dass der Autor sich innerhalb all des Irrsinns auf nüchternere Geschichten und Figuren konzentriert, meint Baumstieger. Heiter mit leider ernstem Kern, urteilt der Rezensent.
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