Marita Krauss

Heimkehr in ein fremdes Land

Geschichte der Remigration nach 1945
Cover: Heimkehr in ein fremdes Land
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406475627
Paperback, 176 Seiten, 12,50 EUR

Klappentext

Nach 1945 kehrte ein kleiner Teil der ab 1933 ins Exil Getriebenen in das zerstörte und geteilte Deutschland zurück. Zu den Remigranten gehörten Sozialdemokraten wie Willy Brandt, Herbert Wehner und Max Brauer, Kommunisten wie Walter Ulbricht, Literaten wie Carl Zuckmayer, Bert Brecht oder Anna Seghers, Wissenschaftler wie Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Wie erlebten sie die Heimkehr in das ihnen fremd gewordene Land? Wie begegneten ihnen die in Deutschland Gebliebenen? Konnten die ehemals Verfemten die Nachkriegsjahre mitgestalten? Die Autorin betrachtet Einzelschicksale und beschreibt subjektive Perspektiven, sie erläutert Schwierigkeiten und Erfolge von Remigrantengruppen aus Politik, Wissenschaft und Kunst und zieht Verbindungslinien zu den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2002

Rezensent Jakob Hessing ist beeindruckt vom vielfältigen Ansatz dieser ausgewogenen Analyse, der 20 Jahre Remigrationsforschung zugrunde liegen. Die Autorin thematisiert die Rückkehr vertriebener Eliten und Politiker und widmet Frauen und Juden ein eigenes Kapitel. Während die Emigration nach 1933 in Deutschland oft als "Landesverrat" empfunden wurde, unterstellte man den Rückkehrern nun dank einem "Mechanismus der Projektion" einen "verborgenen Hass" gegen das Heimatland, erzählt Hessing. Auch im Umgang mit der Rückerstattung der von den Nazis als "Feindvermögen" beschlagnahmten Besitztümer erfuhren die Remigranten durch die deutsche Nachkriegsjustiz keine Korrektur des Unrechts, so der Rezensent. Krauss zeige "eindrucksvoll" den Zusammenhang zwischen der Remigrationspolitik der beiden deutschen Teilstaaten und der auch daraus resultierenden unterschiedlichen politischen Entwicklung auf: Während alle Schaltstellen der entstehenden DDR mit kommunistischen Remigranten aus Moskau besetzt wurden, fand im Westen eine derart von Alliierten gesteuerte Machtübernahme durch Antifaschisten nicht statt. Vielmehr durften Adenauer und Strauß noch bis weit in die Nachkriegszeit Willy Brandt als 'Landesverräter' angreifen, stellt der Rezensent fest.
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