Markus Heidingsfelder versucht in "System Pop" nichts Geringeres, als das Unschärfephänomen Pop, dem bei der Beschreibung der modernen Gesellschaft kaum ausgewichen werden kann, (system)theoretisch und im wesentlichen: systemtheoretisch zu rekonstruieren. Das Ambitionierte liegt darin, dass einerseits Pop eine kaum entwirrbare Gemengelage von Musik- und Körperstrategien, von Subkulturen und Kommerz, von Selbst- und Fremdbeschreibungen darstellt, die zu ordnen allein schon ein Gewinn wäre; dass aber andererseits dieses Ordnen unter Zuhilfenahme außerordentlich abstrakter Theoriemittel geschieht, die gewöhnlich mit der Bielefelder Schule der Systemtheorie verknüpft und unter dem Firmentitel Niklas Luhmann verbucht werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.11.2012
In "System Pop" nimmt sich Markus Heidingsfelder dieses gesellschaftlichen Phänomens auf einer ziemlich abstrakten Ebene an, findet Julian Weber: Der Autor verstehe den Pop als Teilsystem einer Gesellschaft, das sowohl an deren gesamter Reproduktion wie an seinem eigenen Erhalt arbeitet. So werden Texte, Bilder und Klänge zu Funktionen, Strukturen und Codes. Weber zitiert einen Umschreibungsversuch des Autors: Pop ist das "Esperanto der Gegenwartskultur, ein Jugendphänomen, eine profane Religion, Schund, Schund und nochmals Schund". Der Rezensent ist sich nicht sicher, ob aus dem Buch trotz oder wegen Heidingsfelders abstraktem Ansatz ein "leichtgängiger Stoff" geworden ist - auf jeden Fall trotz der "Fußnoten-Gebirge", meint Weber.
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