Benjamin Ziemann beschreibt Deutschlands Geschichte als Entwicklung sozialer Teilsysteme. Diese Perspektive, inspiriert von Niklas Luhmann, ermöglicht verblüffende Einsichten in die Dynamik, aber auch die Fragmentierung der modernen Gesellschaft seit 1880. Funktionsbereiche wie Kunst, Massenmedien und Sport wurden autonom - und zugleich war es auch für eine Diktatur wie das "Dritte Reich" nicht mehr möglich, die Gesellschaft komplett zu steuern. "Die moderne, funktional differenzierte Gesellschaft verfügt nicht über eine Kommandozentrale, von der sich die gesamte Gesellschaft überblicken und steuern lässt. Noch hat sie ein ethisches Zentrum, das moralische Wertnormen verbindlich festlegen kann. Sie ist vielmehr, wie Niklas Luhmann es formuliert hat, 'eine Gesellschaft ohne Spitze und ohne Zentrum'. Warum das so ist, davon handelt dieser Band."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2025
Rezensentin Hannah Schmidt-Ott liest Benjamin Ziemanns Versuch, Niklas Luhmanns Systemtheorie auf die deutsche Geschichte anzuwenden, mit einigem Gewinn. Der Historiker Ziemann zeichnet mit Luhmanns Theoriewerkzeugen Deutschland als eine Gesellschaft nach, in der mehrere Funktionssysteme ohne - auch moralisches - Lenkungszentrum nebeneinander bestehen. Hiervon ausgehend untersuche Ziemann einzelne Fallbeispiele, zum Beispiel den Sport, der sich in seiner Darstellung nach erst mit dem Nationalsozialismus voll dem Code Gewinnen/Verlieren unterstellt und dadurch ein eigenständiges Funktionssystem wird. Andere Fallbeispiele sind, so Schmidt-Ott, zum Beispiel die Presselandschaft des Kaiserreichs oder die Kulturpolitik der Nationalsozialisten. Da die einzelnen Kapitel eher knapp ausfallen, lässt sich noch nicht sagen, findet Schmidt-Ott, wie tragfähig dieses Forschungsprogramm zwischen Soziologie und Geschichte wirklich ist, aber der Anfang, den Ziemann hier macht, fügt sich zumindest zu einem sehr interessanten Buch.
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