Der moderne Individualismus ist zum Problem der westlichen Staaten geworden. Die Befreiung des Ichs führt in übersteigerte Ansprüche nach dem perfekten Leben. Bleibt es aus, folgen Enttäuschung, Aggression, Protest. Am Ende entlädt sich der Frust in der Ablehnung eines ganzen gesellschaftlichen Systems, im Extremfall in Hass. So gefährdet der Individualismus die Demokratie. Ist er als Idee noch zukunftsfähig? Mit der Renaissance ist der Individualismus angetreten, den Menschen aus den Zwängen von Tradition und Glauben zu befreien. Doch diese Freiheit brachte auch Vereinzelung, gemeinschaftsferne Lebensentwürfe und Konkurrenz. Menschen sind plötzlich allein auf sich zurückgeworfen. Die Gesellschaft zerfällt in wenige Gewinner und viele Verlierer. Heute ist das Individuum erschöpft, überfordert - und protestiert: im Schrei nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Einzigartigkeit. Die politische Konsequenz heißt Populismus, Desintegration und Gewalt. Wo ist der Ausweg?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2021
Rezensent Thomas Holl erfährt bei Martin Hecht, wie die moderne Individualisierung zu einer Destabilierung der Demokratie führt. Holl lobt den "weiten historisch-soziologischen Bogen", den der Autor schlägt, wenn er mit Tocqueville zu ergründen versucht, wo die Knackpunkte im Verhältnis von individueller Freiheit und Solidarität liegen und wie sich selbige erreichen ließe. Für Holl eine instruktive, aktuelle und unterhaltsame Lektüre, die der Autor mit einer Prise Sarkasmus zu würzen weiß.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.07.2021
Rezensent Bodo Morshäuser ist genervt von Martin Hechts Klagen, Mahnen und Warnen vor der Aufmerksamkeitsökonomie und dem Internet. Morshäuser wird den Eindruck nicht los, der Autor kennt seine Feindbilder, Fitnessstudios, soziale Medien und andere Orte und Werkzeuge der Aufmerksamkeitsökonomie gar nicht wirklich, sondern findet dort bloß, was er sucht und was seine These vom Hamsterrad der Jagd nach Bestätigung, ja, bestätigt. Etwas weniger Generalisierung und mehr Differenzierung der Bewohner der modernen Welt hätten dem Buch laut Morshäuser gut getan. Manchmal genügt ein Blick in das dem Autor verhasste Netz, um Hechts Sicht der Dinge mit Zahlen zu widerlegen, meint er.
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