Der moderne Mensch führt Glaubenskriege, ohne an Gott zu glauben. Menschen treten scharenweise aus der Kirche aus. Religion spielt im Leben vieler keine Rolle. Man könnte meinen, wir lebten in der gottlosesten Welt, die es jemals gab. Aber stimmt das überhaupt? Hat der Glaube nicht längst einen anderen Ort in unserer Welt gefunden? Bernd Stegemann legt eine hochaktuelle Bestandsaufnahme vor, in der das Individuum den Platz Gottes eingenommen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2024
Bernd Stegemanns Grundthese, dass alte religiöse Prägungen bis heute nachwirken, auch als Fanatismus in vielen politischen Lagern, findet Rezensentin Marianna Lieder ja gar nicht verkehrt. Durchaus hätte sie sich von Stegemann auch einen Weg aus "der athetistischen Apokalpyse" aufzeigen lassen. Aber doch bitte nicht so, seufzt sie: Zwischen einer Menge Binsenweisheiten versteift sich der Dramaturg mal wieder auf den Gedanken, die Identitätspolitik habe alles Schlechte, was vom Glauben übrig bleibt (etwa den"Opferstatus") aufgesogen. Leider erscheint Stegemann dabei diesmal deutlich weniger "geerdet" als im Vorgängerbuch, bedauert die Kritikerin, die sich seitenweise durch so witzlose wie ellenlange Referate von Texten von Augustin über William James bis hin zu Bruno Latour kämpft. Erstaunlich findet sie zudem, dass der Autor, der sich stets als Ungläubiger markiert, im Fehlen von Religion alles Übel der Gegenwart erkennen möchte: Fanatismus, Faschismus, Nationalismus bis zum Konsumfetischismus oder der Endzeitstimmung der letzten Generation. Stegemanns These, dass die Menschheit ohne Gott verloren ist, hält Lieder eine philosophische Tradition entgegen, die nicht die schlechtesten Argumente für eine "universalistische Moral und existenzielle Sinnhaftigkeit ohne Rückgriff auf eine höhere Macht" liefert. Die Frage, wie ein gesundes religiöses Denken heute noch aussehen könnte, bleibt für Lieder offen.
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