Weihnachten vor 50 Jahren: Zuletzt führt ihn der Weg leicht hinab; er rutscht im frisch gefallenen Schnee, fällt auf den Rücken, verliert seinen Hut. Kinder finden den Toten; die Polizei macht Fotos. Was seit dem Tod Robert Walsers am 25. Dezember 1956 geschah, ist staunenswert und fast beispiellos: Von Jahr zu Jahr wächst der Nachruhm - weltweit. Zu den ersten, die sich intensiv mit Walser befaßten, gehört Martin Jürgens. Dieses Buch versammelt elf seiner Walser-Studien aus 30 Jahren. In ihnen wird eine Haltung versucht, die begriffliche Kraftakte vermeidet, in enger Fühlung mit den Gegenständen ist und doch an Theorie, also an der Bewegung des Denkens, interessiert bleibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.02.2007
Seine Begeisterung für den Begeisterten versucht Rezensent Christian Thomas in rechte Worte zu fassen. Kurzerhand vergleicht er die Hingabe gegenüber Robert Walser im Allgemeinen und die von Martin Jürgens im Besonderen mit der Hingabe der kleinen Schwester für den großen Bruder. Solche Vergleiche und frei schwebende Bilder wie "alle Bälle in der Luft" seien auch das Kennzeichen von Martin Jürgens, einem der hingebungsvollsten Interpretatoren des Meisters. Als "Tuchfühlungsversuche" versteht und lobt der Rezensent eine solche Lektüre, wobei Martin Jürgens zugleich immer wieder beweise, dass er das Phänomen Walser schon auch genauer zu 'fassen' vermöge. Beispielsweise mit der Vermutung einer umfassenden "Desorganisation" als ästhetischem Prinzip. Thematisch wichtig sei dem Autor auch die pessimistische "Kleist-Gestimmtheit" Walsers, die all seine ostentative Heiterkeit nicht verbergen könne.
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