Martin Suter

Der Teufel von Mailand

Roman
Cover: Der Teufel von Mailand
Diogenes Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783257065343
Gebunden, 298 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Sonias Sinne spielen verrückt: Sie sieht auf einmal Geräusche, schmeckt Formen oder fühlt Farben. Ein Aufenthalt in den Bergen soll ihr Gemüt beruhigen, doch das Gegenteil tritt ein: Im Spannungsfeld von archaischer Bergwelt und urbaner Wellness, bedrohlichem Jahrhundertregen und moderner Telekommunikation beginnt ihre überreizte Wahrnehmung erst recht zu blühen - oder gerät die Wirklichkeit aus den Fugen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2006

Ingeborg Harms ist nicht wirklich begeistert von Martin Suters Roman. Zwar gelingt es dem Autor, eine so magische wie unheimliche Szenerie (eines Schweizer Bergdorfs) zu schaffen, die die Rezensentin momentweise gefangen nimmt und ihr ein "modernes Märchen" verheißt. Doch das Versprechen wird nicht eingelöst. Enttäuscht muss Harms feststellen, dass die Begegnung von Moderne und Hinterwäldlertum unfruchtbar bleibt. Den Grund sieht sie in der Voreingenommenheit des Autors. Daran, dass dieser die Abgeschiedenheit der durch seine Heldin vertretenden städtischen Laster vorzieht nämlich, hat Harms keinen Zweifel. Zu lebendig erscheint ihr die Zeichnung der Dorfbewohner, zu halbherzig jene der Städter und ihrer Geschichten. Im Ganzen erscheint Harms der Text allzu unentschlossen als dass er sie hätte packen können.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2006

Eine mindestens ebenso leichte Hand wie ein Barpianist beim "Herbeizitieren seiner Standards" bescheinigt Rezensent Lothar Müller dem Schriftsteller Martin Suter nach Lektüre seines neuen Romans. Aber mehr Komplimente hat er dann nicht zu vergeben, da er dieses Werk aus der Kategorie "Verdacht-gegen-die Schweiz-Literatur" eher misslungen findet. Denn die literarischen Standards sind aus Müllers Sicht dann doch ein wenig zu glatt geraten. Den Schauplatz, ein Wellness-Hotel - bevölkert von Bankern, geschiedenen Ehefrauen und anderen ähnlich Situierten - samt deren schwulen Masseuren und einem "alten, trunkenen Portier" - findet er bei aller handwerklicher Könnerschaft der Beschreibung auch nicht wirklich originell, sondern eher klischeehaft. Und so sehr sich Suter als Chronist des modernen Lebensstils hier wohl auch abstrampeln mag, der Rezensent reagiert fast allergisch auf die "chromglänzende" Oberfläche dieser Prosa, deren Unterhaltungswert er jedoch nicht bestreitet. Ihren literarischen Wert aber scheinbar doch, da er in diesem Buch am Ende auch noch "das Aroma von Kinderkrimi" schmeckt.
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