"So ein Quatsch, dass ihr nicht in den Zoo dürft!", hatte Lies gesagt. "Ich gehe mit Rosa dahin, wenn sie Geburtstag hat. Davon hält mich keiner ab!" Rosa liebt den Zoo. Die Giraffen mit ihrem weichen Fell und den schönen Augen mag sie besonders gern. Und Jules will eigentlich bloß mit der Straßenbahn zu seinem besten Freund fahren, so wie immer. Doch auf einmal dürfen sie das nicht mehr. Denn es ist 1940 und nach dem Überfall der Deutschen auf die Niederlande wird das Leben jüdischer Kinder und ihrer Familien von Tag zu Tag schwieriger. Aber Rosa und Jules, Klaartje, Leo, Ruth und Bennie, von denen in diesem Buch erzählt wird, erleben nicht nur Schrecken und Leid, sondern trotz allem auch Momente voller Glück und Zusammenhalt. Ein Buch gegen das Vergessen.
Die niederländische Autorin Martine Letterie, die eng mit der Gedenkstätte des Durchgangslagers Westerbork zusammenarbeitet, hat ein Kinderbuch über die Judenverfolgung in den Niederlanden geschrieben, berichtet Rezensentin Melanie Longerich. Sechs Protagonistinnen und Protagonisten begleitet Letterie: Ruth beispielsweise kommt mit ihrer Familie nach Westerbork und ihr Vater schafft es, sie vor dem letzten Transport in den Osten zu verstecken. Der Plan von den Eltern des kleinen Jules, ihren Sohn untertauchen zu lassen, geht hingegen nicht auf, erfahren wir. In den Niederlanden wird das Buch bereits ab sechs Jahren empfohlen, der Holocaust ist dort schon in der Grundschule Thema, in Deutschland erst ab zehn, weiß Longerich. Ergänzt wird der Text durch sensible schwarz-weiß Illustrationen von Julie Völk und drei originalen Zeichnungen von Kindern, die sich in Westerbork befanden. Für die Kritikerin ist das Buch nicht unnötig grausam, sondern sehr kindgerecht und so empfiehlt sie es, sichtlich berührt, nicht nur für junge, sondern auch für erwachsene Leser.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2019
Rezensentin Manuela Kalbermatten hält Kinderbücher für ein geeignetes Mittel, um jungen Lesern historische Wirklichkeiten näherzubringen, und sie nimmt da auch den Holocaust nicht aus. Sie empfiehlt besonders das Buch "Kinder mit Stern", in dem die niederländische Autorin Martine Letterie vom Schicksal jüdischer Kinder unter deutschen Besatzung erzählt. Sehr zurückhaltend und diskret sieht die Rezensentin hier erzählt, die Bildsprache breche mit den herkömmlichen Mitteln der Überwältigung und betone eher die Fragilität der Kinder, lobt sie.
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