Aus dem Englischen von Ulrike Bischof. Mit über hundert s/w Abbildungen und umfangreichem farbigen Bildteil. Die Althistorikerin Mary Beard erzählt die Geschichte eines Weltreichs, lässt uns Kriege, Exzesse, Intrigen miterleben, aber auch den römischen Alltag - wie Ärger in den Mietshäusern und Ciceros Scheidung. Sie lässt uns hinter die Legenden und Mythen blicken, hinterfragt sicher Geglaubtes und kommt zu überraschenden Einsichten. So erscheint Rom ganz nah - in seinen Debatten über Integration und Migration - und dann doch auch faszinierend fern, wenn es etwa um Sklaverei geht. Die Geschichte Roms für unsere Zeit.
So hymnisch Berthold Seewald seine Besprechung von Mary Beards "Tausendjähriger Geschichte Roms" beginnen lässt, so ernüchtert bleibt er nach der Lektüre zurück. Der Reihe nach: Das Buch sei das "Magnum Opus" der ebenso brillanten wie "spitzzüngigen" britischen Historikerin, zudem in Zeiten, in denen die Beschäftigung mit Rom wieder einmal Konjunktur hat, hochaktuell, außerdem wendungsreich, pointiert und spannend geschrieben, lobt der Kritiker. Und doch muss er bald feststellen, dass Beards Abarbeitung der römischen Geschichte von der Gründung bis ins Jahr 212 n. Chr., in dem Kaiser Caracalla mit der Constitutio Antoniniana alle freien Untertanen einbürgerte, wenig Neues bietet - und so bleibt dem Rezensent nicht mehr als herrlicher "Schmökerstoff".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2016
Rezensent Simon Strauss hätte sich mehr Seitenwege gewünscht im Buch der "berühmtesten Althistorikerin der Welt". Dass Mary Beard hier vor allem die Evergreens der römischen Geschichtsschreibung rekapituliert, Fakten und Fiktionen en masse, chronologisch, linear dargeboten, kann Strauss nicht überzeugen. Viel mehr interessiert hätte ihn das Chaotische und Kontingente im alten Rom. Spannend und farbig wird es laut Strauss im Buch leider erst gegen Ende, wenn Beard die Kaiserzeit in den Blick nimmt und sich soziologische Exkurse gestattet und gar die ein oder andere Provokation in Richtung Forschungsstand. Das ist dem Rezensenten deutlich zu wenig.
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