Bücherlesen ist kein exzentrisches Hobby. Smartphones, E-Reader, Tablets sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, und es hat keinen Sinn, sich die Zeit ohne digitale Medien zurückzuwünschen. Maryanne Wolf macht jedoch deutlich, dass wir zwar nicht der völligen digitalen Demenz anheimfallen, wenn wir vor allem über digitale Kanäle Informationen und Unterhaltung konsumieren, dass wir aber enorm viel verlieren, wenn wir daneben nicht von klein auf lernen, gedruckte Bücher zu lesen. Unser Gehirn reagiert anders, verarbeitet anders und bildet andere Strukturen aus als beim digitalen Lesen. Für unsere offene, demokratische Gesellschaft so wichtige menschliche Fähigkeiten wie das Erfassen, Analysieren, Durchdenken komplexer Zusammenhänge sowie Empathie drohen zu verkümmern. Kurz gesagt: Erst das Lesen gedruckter Bücher macht uns zu ganzen Menschen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.07.2019
Rezensent Steffen Martus kann sich bei der Kognitionswissenschaftlerin Maryanne Wolf entspannt zurücklehnen und auf die lange Beschäftigung der Autorin mit den Effekten der Digitalisierung vertrauen. Wenn nur die "rhetorischen Tricks" nicht wären, mit denen Wolf den Leser "betüdeln" will. Davon abgesehen leuchtet dem Kritiker Wolfs Plädoyer für die Buchlektüre ein, ebenso allerdings ihr Eintreten für das Einüben "medialer Zweisprachigkeit". Wolfs Vorschläge in dieser Hinsicht und die gewählte Briefform findet Martus lesenswert nicht nur wegen der kognitionswissenschaftlichen Befunde - ob als Buch oder E-Book.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.06.2019
Rezensent Volkart Wildermuth hat so seine Zweifel an den Thesen von Maryanne Wolf über die Vorteile des langsamen und die Nachteile des schnellen (digitalen) Lesens. Dass die Lektüre am Smartphone die Kompetenz, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, und gleich unsere ganze Gesellschaft gefährdet, glaubt er nicht und verweist auf die "Fridays for Future"-Bewegung. Erleichtert stellt er fest, dass die Autorin am Ende ihres Buches einen Kompromiss vorschlägt, indem sie das Ideal einer Leserin entwirft, die sowohl schnell und effektiv als auch langsam und "tief" zu lesen und beide Lektüreweisen zu kombinieren vermag.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2019
Rezensent Fridtjof Küchemann begrüßt das Buch der Kognitions- und Literaturwissenschaftlerin Maryanne Wolf. Wie die Autorin die neuralen Vorgänge beim Lesen beschreibt und sodann das "vertiefte" Lesen gegen das oberflächliche Lesen am Bildschirm ausspielt, findet er lesenswert. Sofort überdenkt Küchemann sein eigenes Leseverhalten und zeigt sich erleichtert, dass Wolf mit ihrer Diagnose der Verlusterfahrung des langsamen Lesens ein Problem schildert, das ihn angeht. Vor- und Nachteile des schnellen Lesens abwägend, plädiert Wolf laut Küchmann schließlich für ein verstehendes Lesen an den Screens, erkenntnisreich und mit einem Optimismus, der dem Rezensenten passt.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…