Wer hat Angst vor Gender?

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518128343
Broschiert, 405 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Katrin Harlaß und Anne Emmert. Für den globalen Rechtsruck spielt der Kampf gegen "Gender" eine zentrale Rolle. Ob in der Hinterfragung geschlechtlicher Normen nun eine Gefährdung von Kindern, die Zerstörung der Familie oder ein Angriff auf die natürliche Ordnung gesehen wird - in nichts sind sich Rechtspopulisten, religiöse Frömmler und Anti-Trans-Feministinnen so einig, nichts sonst bringen sie solche Ablehnung entgegen.
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 07.10.2025
Positiv bespricht Rezensentin Angela Gutzeit Judith Butlers neues Buch. Ein weiteres Mal lässt sie sich von der Autorin die Grundzüge der Gender-Theorie erklären, die auf der Einsicht basiert, dass Geschlecht nicht nur naturgegeben, sondern auch eine kulturelle Konvention ist - tatsächlich weist Butler in ihrem aktuellen, in vergleichsweise einfacher Sprache verfassten Buch darauf hin, dass die Kategorien "sex" und "gender" nicht einfach eins zu eins der Biologie beziehungsweise der Kultur zugerechnet werden können. Zentral ist in der neuen Schrift, so Gutzeit, die Auseinandersetzung mit der aufstrebenden politischen Rechten, die Gender verteufelt und zu einer traditionellen Gesellschafts- und eben auch Geschlechterordnung zurückkehren will. Butler greift transkritische Strömungen im Feminismus an (Stichwort TERF) und argumentiert laut Rezensentin, dass es einer breiten, solidarischen Bewegung bedarf, die auch antirassistische Initiativen umfasst, um dem Rechtsruck sinnvoll zu begegnen. Gutzeit schließt sich Butlers Analysen und Folgerungen weitgehend an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2025
Judith Butler macht in ihrem neuen Buch vieles richtig, aber nicht alles, meint Rezensentin Nina Apin. Die immer noch stark polarisierende US-amerikanische Philosophin nimmt sich darin erneut ihrem "Kernthema" Gender an und verteidigt ihre Standpunkte gegen ihre Gegner. Dabei widme sie sich der Gegenposition "gründlich" und argumentativ versiert, etwa in Bezug auf die religiöse und politische Dämonisierung von Gender, die sie globale "personelle Verbindungslinien" zwischen Papst Franziskus, Putin und Ron de Santis ausmachen lässt, oder in Bezug auf die Paradoxie, mit der Feministinnen des alten Schlags dann doch am Kriterium Gebärfähigkeit festhalten, wenn es um Transpersonen geht. Kritisch anmerken muss Apin aber, dass Butler dann teils ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird: wenn sich etwa "altbekannte postkoloniale Denkschablonen" einschleichen oder sie bestimmte feministische Strömungen als illegitim beiseite wischt - wo sie doch kurz zuvor noch für Allianzen und Solidarität plädiert habe, moniert Apin. Trotzdem ein "wertvoller" Debattenbeitrag mit der klaren Message, dass Gender noch niemandem etwas weggenommen, aber vielen Menschen Freiheit geschenkt habe, schließt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 26.08.2025
Wenig überraschend lässt Rezensent Magnus Klaue kein gutes Haar am neuen Buch Judith Butlers. Zunächst macht Klaue sich einige Gedanken zum Titel, der auf ein Ehedrama Edward Albees anspielt und dadurch bereits die Differenz von biologischem "Sex" und gesellschaftlich konstruiertem "Gender" ins Spiel bringt - auf die Butler freilich gerade nicht hinaus will. Denn für sie ist auch Biologie lediglich Konstruktion und Gender deshalb ein Begriff ohne Gegenbegriff, und deshalb letztlich gar kein Begriff, sondern ein "Unbegriff". Beziehungsweise eine Ideologie, wobei Butler, erfahren wir, gegen eben eine solche Charakterisierung ihres Denkens anschreibt, im nächsten Schritt dann aber gleich zum Kampf gegen diejenigen aufruft, die ihre eigene Absage an alles Binäre nicht teilen. Klaue hält von all dem gar nichts und weist am Ende darauf hin, dass es mit der von Butler propagierten Gleichheit als Grundlage des Zusammenlebens nicht weit her sein kann, wenn alle Unterscheidungen - und damit die einzige sinnvolle Basis von Gleichheit - eingeebnet werden. Ziemlich autoritär mutet diese Schrift zudem auch noch an, schließt der veritable Verriss.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.08.2025
Judith Butler zeigt Susanne Billig in ihrem neuen Buch, dass die Abwehr des Themas geschlechtliche Identität und Vielfalt von mächtigen politischen und gesellschaftlichen Allianzen getragen wird: In zehn Kapiteln zeigt die Geschlechterforscherin, wie etwa der Vatikan oder evangelikale Gruppen Gender als Bedrohung aufbauschen, die Kinder gefährde. Auch Transfeindlichkeit wird angesprochen - das Ziel dabei ist es, von den eigentlichen Problemen wie etwa dem zunehmenden Rechtsruck abzulenken, erfahren wir. Butler setzt dem ihre Forschungserfahrung entgegen: Sex und Gender sind bei ihr verflochten und immer schon gesellschaftlich konnotiert und eingeordnet, aber die Vorstellungen, die wir davon haben, sind nicht universell und überzeitlich. Das ist nicht immer ganz einfach zu lesen, so Billig, aber im Aufruf für mehr Solidarität gegen die großen Probleme unserer Zeit absolut lohnenswert.