Matthias Steinbach

Ökonomisten, Philanthropen, Humanitäre

Professorensozialismus in der akademischen Provinz
Cover: Ökonomisten, Philanthropen, Humanitäre
Metropol Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783938690840
Gebunden, 397 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Über deutsche Professoren ist viel Abwertendes gesagt worden. Im Elfenbeinturm lebensferner Wissenschaft, so heißt es, hätten sie sich verschanzt und fällige Bildungsreformen verhindert. Gelehrtenpolitik sei "Klassenkampf von oben" gewesen. Die vorliegende Studie macht eine andere Rechnung auf. Sie zeigt für den Zeitraum zwischen Frühaufklärung und Erstem Weltkrieg am Beispiel einer klassischen Universität, wie wissenschaftliche Innovation, sozialer Sinn und politisches Handeln ineinandergriffen. Im kommunalstaatlichen Maßstab wird die Spur eines langlebigen und temporär erfolgreichen Professorensozialismus nachgezeichnet, der sich durch originelle Problemlösungsstrategien den Herausforderungen des Wandels gewachsen zeigte. Um 1900 erreichte dieser Trend, verstärkt durch Einflüsse des englischen New Liberalism und der Settlement-Bewegung, einen gewissen Höhepunkt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2008

Respektvoll, aber wenig kommentierend schreibt Gert Lange über Matthias Steinbachs historische Auseinandersetzung mit sozialen Bildungsreformen und politischen Auswirkungen zwischen Frühaufklärung und Zweitem Weltkrieg. Er nennt das Buch "eine exzellente Studie regionaler Bildungspolitik", die genau und dezidiert über das Thema aufkläre. Außer dass er sich eine reflektiertere Begriffsklärung des von Steinbach eingeführten Begriffs "Professorensozialismus" gewünscht hätte, hat Lange nichts zu bemängeln und resümiert stattdessen die Inhalte des Buchs. Hier wolle Steinbach am Beispiel der Universität Jena aufzeigen, dass es durchaus Professoren mit sozialem Engagement und sozialpädagogischer Initiative gegeben habe, die die Bildungslandschaft erheblich beeinflussen konnten. Jena stelle ein gutes Beispiel dar, weil hier "wesentliche Impulse für die bürgerliche Reformpädagogik ausgingen": diese seien einem elitären Netzwerk geschuldet, dass sich um die Jahrhundertwende bildete und unter Friedrich Nauman und dem nationalsozialen Verein einen Höhepunkt fand. Doch aus sozial-libertären Bemühungen wurde ein Konzept, das im Grunde gegen egalitäre Bewegungen und dem damaligen Ruf des "Professorensozialismus" arbeitete: "Durch Volkswohlfahrt und Volksbildung sollten revolutionäre Systemveränderungen verhindert werden", fasst Lange zusammen.

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