Maurizio Maggiani

Reisende in der Nacht

Roman
Cover: Reisende in der Nacht
Edition Nautilus, Hamburg 2007
ISBN 9783894015343
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Andreas Löhrer. Ein italienischer Vogelforscher sitzt mitten in der Sahara, »"am Arsch der Welt", und wartet auf den Durchzug der Schwalben. Die Zeit verbringt er mit einer Gruppe von Tuareg, die vom Schmuggel leben und ihm mit ihren japanischen Jeeps die Wüste zeigen. Jeden Abend, am Feuer, fasst ein alter Poet in seinen Gesängen die Ereignisse des Tages zusammen und erzählt Volkslegenden. In einer Nacht erzählt der Vogelforscher seinerseits: Es sind Geschichten aus dem kriegsgeschüttelten Jugoslawien, wo er zu Forschungszwecken eine junge Bärin verfolgte und dabei in die Wirren des Krieges geriet. Er traf auf skurrile Figuren, die in diesem zerstörten Landstrich herumvagabundierten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2007

Auf so wunderbare Weise auf die falsche Spur gebracht fühlt sich Rezensent Jochen Schimmang von Maurizio Maggiani, dass er ihn nicht nur als "sehr poetischen Erzähler", sondern zugleich auch als "hinterfotzig" preist. "Reisende in die Nacht" nämlich beginnt nach Schimmangs Darstellung wie ein Wüstenroman, wir befinden uns im algerischen Hoggar-Gebirge, zusammen mit Turags, einem Geschichtenerzähler, einem Vogelkundler und einer aufdringlichen Journalistin. Doch wenn Maggiani einen Kranz von Geschichten um dieses Setting herum flicht, kristallisiert sich bald als eigentlicher Mittelpunkt des Buchs eine ganz andere Begebenheit heraus. Ein Massaker im bosnischen Tuzla, das der Vogelkundler während des Bürgerkriegs, als er noch Bärenkundler war, miterlebt hat. Viel Worte macht der Rezensent darum nicht, nur so viel: "Selten ist eine Kriegstragödie so eindrücklich und zugleich so unmanieriert und ohne jedes Pathos geschildert worden." Wobei er ausdrücklich Andreas Löhrer für seine Übersetzung in einer "angemessenen deutschen Tonlage" lobt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2007

Es scheint nicht ganz leicht, sich von dem Italienier Maurizio Maggiani ein Bild zu machen, Martin Krumbholz versucht sein Bestes. Den Autor stellt er uns als früheren Gefängnispädagogen und Kameramann vor, der nun als Schriftsteller ein "Märchenerzähler alten Schlages" und der "Clown unter den italienischen Intellektuellen" geworden sei, allerdings einer mit spiritueller Note. Sein Roman "Reisende in der Nacht" erzählt von Abenteuern bei den Tuareg, im Bosnienkrieg oder mit der wilden Tierwelt des Kaukasus, wobei Maggiani der Darstellung des Rezensenten zufolge immer mit dem "Gestus der Authentizität" erzählt, die er allerdings ins Surreale steigert. Durchtrieben, ausgekocht gar findet Krumbholz dieses Spiel mit der Fiktionalität, andererseits findet er viel schlaues und "wildes Denken": Etwa die Logik, dass wir nur lieben können, wem wir begegnen, also unsere Füße entscheiden. Krumbholz ist begeistert.

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