1978, ein Dorf in der Eifel: Sanne und Ulrike haben Osterferien. Wenn sie nicht auf dem Hof helfen müssen, düsen sie mit ihren Fahrrädern durch die Gegend und kriegen alles mit. In zwei Monaten ist Fußball-WM, die Mädchen bekommen aber einfach nicht genug Hanuta-Bilder für ihre Sammelalben. Also schneiden sie ein paar Männerköpfe aus dem Fahndungsplakat in der Post. Denn das ganze Land ist gerade in Aufruhr über drei Buchstaben. RAF. Und dann geschieht tatsächlich ein Bankraub. Festgenommen wird der einzige Langhaarige im Dorf. Dass er es nicht gewesen sein kann, wissen Sanne und Ulrike genau. Und sie wissen noch viel mehr, Sachen, die nicht nur die Polizisten in der nächsten Kleinstadt interessieren würden ...
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.08.2021
Auf den Krimi-Autor Max Annas lässt Rezensent Thomas Wörtche nichts kommen. Wenn Annas nach zwei DDR-Romanen nun die BRD-Geschichte in den Blick nimmt, dann macht sich Wörtche darauf gefasst, die siebziger Jahre "in einer Nussschale" präsentiert zu bekommen: Fußball-WM, RAF-Terrorismus, westdeutsche Provinz und - als Referenz an Dürrenmatt - Geld streuende Amerikaner. Sprachlich und literarisch überzeugend findet Wörtche diesen Roman und auch als Versuch überzeugend, bundesdeutsche Geschichte mit Mitteln von heute zu reflektieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2021
Rezensent Hannes Hintermeier mag den neuen Krimi von Max Annas, der multiperspektivisch in vielen, kurzen Kapiteln die Geschichte eines Eifeldorfs bei Luxemburg, kurz nach dem Deutschen Herbst erzählt. Das Buch ist bereits der dritte Roman des Berliner Schriftstellers, der in den späten DDR-Jahren spielt, doch diesmal ist die alte BRD hauptsächlich Ort der Handlung, weiß Hintermeier. Dass die zwei elfjährigen Protagonistinnen Sanne und Ulrike als Kinder-Ermittlerinnen fungieren, findet der Rezensent mutig, doch die Frühreife, Gewitztheit und Furchtlosigkeit der beiden macht das ganze gut möglich. Durch die unzuverlässige Erzählweise aller ProtagonistInnen und die unerwähnte politische Ebene riskiert der Autor Hintermeier zufolge zwar, dass viele der LeserInnen der Geschichte nicht folgen könnten, er freut sich aber über die Neugier Annas' auf verschiedene Erzählweisen. Der Rezensent weiß, dass dieser Roman keine Fortsetzung bekommen wird, aber das kann er verkraften und freut sich stattdessen lieber über die gewitzte Lösung des "stilistisch abgekoppelten" Finales.
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