Karl Dietrich Wolff

"Bin ich nicht ein Hans im Glück?"

Studentenrevolte - Hölderlin - Kafka
Cover: "Bin ich nicht ein Hans im Glück?"
Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783465047087
Taschenbuch, 262 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Als einer der Protagonisten der 68er Bewegung kämpfte KD Wolff gegen Autoritarismus und das Schweigen der Nachkriegszeit. Er mobilisierte gegen den Vietnamkrieg und gab dem Komitee für un-amerikanische Umtriebe des US-Senats provokative Antworten, worauf ihm jahrzehntelang die Einreise in die USA verboten wurde. In diesen wilden Jahren auf besonderen Wegen und oft abseits der Gesetze liefen 38 Strafverfahren gegen ihn. Zu Zeiten der RAF geriet er als undogmatischer Linker auch in den Fokus des Staatsschutzes. Als er 1970 den Verlag Roter Stern ins Leben rief (nach der ersten Pleite unter dem Namen Stroemfeld/Roter Stern neu gegründet), setzte er seinen Kampf in anderer Form fort. Mit dem Wagnis einer neuen Gesamtausgabe der Schriften Hölderlins geriet er zwischen die Fronten einer zersplitterten Linken und der etablierten Germanistik. Dass die Ausgabe später international Schule machen sollte, war erst nicht abzusehen, ebenso wenig wie der Erfolg der "Männerphantasien" Klaus Theweleits und der Bücher Peter Kurzecks, den KD Wolff entdeckt und gefördert hat. Seit 1995 steht neben Hölderlin und weiteren historisch-kritischen Editionen auch die Historisch-Kritische Frankfurter Kafka-Ausgabe für die stilbildende Editionspraxis des Verlages, der 2018 aufgrund chronischen Geldmangels schließen musste.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.10.2025

Mitgerissen wühlt Rezensent Helmut Böttiger in der zeitgeschichtlichen Fundgrube, die ihm die Autobiographie des 82-jährigen, rebellischen Verlegers bietet. In zahlreichen, sehr kurzen und zeitlich springenden Kapiteln erfährt er, dass Wolff 1968 Bundesvorsitzender der SDS war, bevor er 1970 den linksradikalen Verlag "Roter Stern" gründete. Böttiger sieht die Vielfalt des dort gepflegten Verlagsprogramms, das neben zu erwartenden, politischen Schriften auch an einer historisch-kritischen Ausgabe der Werke Hölderlins arbeitete, als einen Spiegel des Verlegers. Diese unkonventionellen Mischformen erstrecken sich sogar auf die Textzusammensetzung, da es sich um mündliche Mitschriften handelt, die unter der Mitarbeit des ursprünglich im Finanzwesen tätigen Journalisten Dietegen Müller zu Papier gebracht wurden. Die so entstandenen "Zeitstimmungen" findet Böttiger atmosphärisch dicht und pointiert formuliert. Sie bilden das überzeugende Porträt eines antiautoritären Traumwandlers, logisch, dass sich Wolff da selbstironisch als "Hans im Glück" bezeichnet, schmunzelt der Kritiker. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.08.2025

Interessiert liest Rezensent Claus-Jürgen Göpfert K. D. Wolffs lang erwartetes Erinnerungsbuch. Dabei fasst sich der Verleger, dessen Verlage Roter Stern und Stroemfeld deutsche Literaturgeschichte geschrieben haben, charakteristisch kurz und stellt sein Leben in Kooperation mit dem Journalisten Dietegen Müller schlaglichtartig und teils sarkastisch dar. Göpfert liest von Wolffs Lebensweg, vom Schweigen der Eltern über die NS-Vergangenheit, das die Kindheit prägte, über die extrem wichtige Studentenzeit, das Aufbegehren der 68er, das er im Schatten des großen Rudi Dutschke erlebte, bis zum verlegerischen Werk. Das setzte zunächst mit ausgesprochen politischen Publikationen ein, bevor er sich Klassikereditionen zuwandte, was einige linke Mitstreiter verstörte, für Wolff selbst aber eine notwendige Antwort auf die Instrumentalisierung zum Beispiel Hölderlins durch die Rechten war. Auch mit Theweleits "Männerphantasien" und den Bücher Peter Kurzecks machte sich Wolff, um den deutschen Buchmarkt verdient, bevor der Verlag im Zuge der Digitalisierung Probleme beam und schließlich eingestellt werden musste, erinnert sich der Kritiker. Dennoch ist das ein Buch, das Mut machen kann, schließt Göpfert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2025

Rezensent Jochen Hieber zeigt sich begeistert: KD Wolffs lang erwartete Autobiografie sei ein "famoser Abenteuerroman" und ein "Epos der ihm aufgegebenen Zeit". Vom Trauma einer lebensgefährlichen Verbrühung im Kleinkindalter über die Provokationen eines SDS-Aktivisten bis hin zum legendären Hölderlin-Verleger - das Buch durchmisst ein ganzes Leben, das Hieber zufolge von "raubeinigem Charme" und "fundamentaler Autoritätsallergie" geprägt ist. Die Erinnerungen an die 68er-Zeit sind nicht nur subjektiv und opulent, sondern könnten noch manchen Diskurs befeuern, ist sich der Kritiker sicher. Auch Wolffs Verlagstätigkeit wird gewürdigt: etwa seine Rolle bei der Edition von Peter Kurzeck, Klaus Heinrich oder Klaus Theweleit. Trotz später Rückschläge bleibt die Bilanz glanzvoll. Dass das Buch neben persönlicher Aufarbeitung auch ein generationelles Vermächtnis formuliert, macht es für Hieber zu einem der wichtigsten autobiografischen Texte der jüngeren Zeit. 

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