"Stammheim" ist seit dem Prozess gegen die erste Führungsgeneration der RAF zum Mythos geworden. Die Wahlverteidiger der Angeklagten taten alles, um das Strafverfahren zum Schauprozess zu machen. So drang fast nur die einseitige Interpretation der RAF-Anwälte in die deutsche Öffentlichkeit - und wirkt bis heute fort. Sie lässt das Verfahren als "systematische Zerstörung aller rechtsstaatlichen Garantien" (Otto Schily) erscheinen. Dabei ist das Gegenteil richtig: Die Richter gewährleisteten ein ordentliches Strafverfahren. Ein halbes Jahrhundert später ist es an der Zeit, dem Verfahren und damit dem Rechtsstaat Gerechtigkeit widerfahren zu lassen - auf Grundlage vielfältigster Quellen. Der Bogen spannt sich von der Ankunft der RAF-Führung in der Untersuchungshaft 1972 bis zum Selbstmord von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe am 18. Oktober 1977. Gezeigt wird, was beim Jahrhundertprozess wirklich geschah. Er ist ein Vorbild für den Umgang des Rechtsstaat mit Terror.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.03.2025
Kein Buch für "RAF-Sympathisanten", hält Rezensent Arno Orzessek bezüglich des Buches fest, das der Welt-Redakteur Sven Felix Kellerhoff über den Prozess gegen die erste Generation geschrieben hat, der vor fünfzig Jahren begann. Für Kellerhoff hat der Staat in diesem Prozess seine Unerpressbarkeit gezeigt, trotz der Inszenierung der Terroristen als "Folteropfer" und der "sabotage-artigen Penetranz" der Anwälte Schily und Ströbele, so Orzessek. Dass die charakterliche Beschaffenheit von Meinhof und Co. nicht beleuchtet wird, findet er angesichts der fundierten gesellschaftlich-juristischen Analyse des Verfahrens und seiner Situierung okay. Das Buch ist mitreißend und überzeugend geschrieben, auch in der Entlarvung von Baader und seinen Kumpanen als ziemlich vulgär, die die Richter als "imperialistische Staatsschweine" und "Killer" beleidigten.
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