Aus dem Amerikanischen von Ebba D. Drolshagen. Mit einem Nachwort von Bernd Hontschik. Max Kirschner ist ein deutscher Jude, geboren und aufgewachsen um die Jahrhundertwende in München; er dient "seinem Vaterland" als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg, wofür ihm das Eiserne Kreuz verliehen wird, das er mit Stolz trägt; arbeitet lange Jahre als Arzt in Frankfurt am Main - bis der Nationalsozialismus auch dieses Leben von Grund auf verändert: Dem Entzug der Approbation folgt der Transport ins Konzentrationslager Buchenwald, der Verlust allen Eigentums, aller sozialen Wurzeln. Kirschner flieht mit seiner Familie nach England, emigriert in die Vereinigten Staaten. Dort beginnt er, mit über 50 Jahren, noch einmal von vorn, studiert noch einmal, erhält die neue Staatsbürgerschaft, baut eine Praxis auf und lernt dort endlich wieder das Glück des Lebens kennen - mit seinen Kindern und vielen Enkeln. Max Kirschner ist nie wieder nach Deutschland zurückgekommen, und seine Erinnerungen hat er in englischer Sprache geschrieben. "Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit" ist ein ergreifendes Dokument, ein einfacher, auf jede Ausschmückung verzichtender Blick auf eine Existenz, die eine jüdische, deutsche und amerikanische war, ein Bericht, der von der Kraft eines Mannes erzählt, der sich sein Leben nicht nehmen ließ.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2005
Recht angetan zeigt sich Rezensent Robert Jütte von diesen Erinnerungen des jüdischen Arztes Max Kirschner (1886 bis 1975), die ihren Weg aus dem Archiv des New Yorker Leo-Baeck-Instituts gefunden haben und nun in deutscher Übersetzung vorliegen. Zwar scheinen Jütte weder die Person noch die Lebensgeschichte Kirschners, der für seine Leistungen als Arzt und Offizier im Ersten Weltkrieg mit dem Eiserne Kreuz gewürdigt wurde, in Buchenwald interniert war und dann in die USA emigrierte, wirklich außergewöhnlich verglichen mit anderen Emigrantenschicksalen. Aber er findet Kirschners Erinnerungen von der ersten Seite an packend. So lobt er die "gute Beobachtungsgabe", der sich trotz Verlusts eines Großteils seiner Tagebücher "plastisch" erinnere. Und er hebt hervor, dass Kirschner nicht nur traurige Geschichten erzählt, sondern auch die heiteren Seiten jüdischen Alltags im New Yorker Exil in schwerer Zeit dokumentiert.
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