Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. Itamar, ein äußerst gutaussehender Mann, lebt in den USA und kommt jedes Jahr zurück nach Israel, um seinen Bruder Boas zu sehen. Wie es ihre Tradition ist, verbringen die Brüder einen Abend zusammen, trinken und erinnern sich an die Eltern. Doch diesmal erzählt Itamar Boas von seiner Nacht mit einer Frau, die ihn in ihr Haus zwischen Olivenhainen gelockt und in ein vertracktes erotisches Spiel verwickelt hat. Eine überraschende Geschichte über Familie und Verstrickung, Liebe und Sehnsucht, Schönheit und Einsamkeit, Begehren und Widerstreit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2023
Rezensentin Lea Hampel empfiehlt den vielleicht letzten Roman von Meir Shalev. Noch einmal glänzt der Autor mit den unnachahmlich beobachteten Details einer Familiengeschichte, noch einmal gibt er der Rezensentin das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein, wenn zwei Brüder ihre intimsten Geschichten offenlegen und kommentieren. Um eine einzige Nacht mit Sex, Lügen und Versöhnung geht es dabei nur vordergründig, meint Hampel. Hinter den Dramen lauern wie immer bei Shalev die ganz großen Themen - und vor allem der große Humor des Autors. Ein dialogisches Kammerspiel aus einer israelischen Sommernacht, das leider in der Übersetzung etwas verliert, so Hampel.
In Meir Shalevs Roman erfährt Rezensentin Sigrid Brinkmann etwas über die "angeborene Kurzsichtigkeit des Schönen". Itamar Diskin, ein in den USA lebender Israeli, ist Mitbesitzer eines Fitnessstudios in Virginia und lebt ansonsten ohne klares Ziel vor sich hin. Dies ändert sich aber bei seinen Besuchen in Israel. Da er das Zusammenleben mit seiner Familie nicht erträgt, mietet er sich ein Hotelzimmer und veranstaltet mit seinem Bruder jedes Jahr einen Abend, an dem sich die beiden betrinken und über ihr Leben austauschen. Doch dieses Mal erzählt Itamar von einer Jahre zurückliegenden sexuellen Erfahrung, die er geschworen hatte, zu verschweigen, so die Kritikerin. Brinkmann lobt Shalevs Talent für "erzählerische Ökonomie", findet die Grundaussagen des Romans, Schönheit mache blind und sei eine Bürde, aber etwas platt. Auch die Frauenfiguren in diesem Roman wirken leider etwas "hohl", seufzt die Rezensentin.
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