Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Vita ist die Geschichte zweier Kinder, die 1903 in das Elend der New Yorker Arbeiterviertel auswandern, und zugleich eine literarische Suche der Autorin nach ihren eigenen Wurzeln.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2005
Zwiespältig beurteilt Franz Haas den Roman der Italienerin Melania G. Mazzucco, die für "Vita" im Jahr 2003 den populärsten italienischen Literaturpreis erhalten hat. Es handelt sich um einen dieser klassischen Auswanderer-Romane, der nach Meinung von Haas viel italoamerikanische Folklore und überhaupt jede Menge gängiger Kinoklischees bemüht. Neben den eher rührseligen und konventionell erzählten Passagen ständen aber auch ganz "fabelhaft dichte" Abschnitte, so Haas, in denen Mazzucco sachlich und poetisch zugleich von ihren Recherchen in Archiven, von ihren Begegnungen mit Zeitzeugen berichte. Aber, hebt der Rezensent mahnend den Zeigefinger, das literarisch Authentische habe es schwer neben dem Kulissengepinsel im Leinwandgroßformat, dem auch die Übersetzerin Karin Fleischanderl nicht das Schmalzige haben nehmen könne, auch wenn sie sich offensichtlich darum bemüht hätte. Letztlich zeigt sich Haas aber versöhnlich, der von den guten Stellen des Buches, die vom schmerzlichen Auseinanderleben der Auswanderkinder berichten, mehr überzeugt ist als von den schlechten, die man auch bei Scorcese oder Leone schon besichtigen konnte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.10.2004
"Dieser wehmütige Roman ist vielleicht das Beste, was Melania Mazzucco bisher geschrieben hat." Warum vielleicht? Eigentlich ist sich Francesca Guidice nämlich sicher, dass die Geschichte von Diamante und Vita, den beiden Kindern, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts als mittellose Emigranten nach New York kommen, im Werk der Autorin ein großer Schritt nach vorne ist. In ihren bisherigen Büchern erlag sie immer mal wieder der Versuchung des Pathos, jetzt nicht mehr: "Melania Mazzucco ist gereift. Sie erzählt mit epischer Kraft und großer Leichtigkeit. Sie skizziert Ereignisse und Charaktere mit Präzision, Ironie und subtiler Einfühlsamkeit." Ein Einwandererepos von einem, der scheitert, und einer, die sich durchsetzt, und von der Liebe, die dadurch zerbricht; komplex strukturiert und voller "komischer Miniaturen italo-amerikanischer Alltagsfolklore" - die Rezensentin hat nichts auszusetzen und berichtet noch, dass es auch eine persönliche Geschichte ist, denn einem Großvater der Autorin erging es wie Diamante: Er ging nach New York und scheiterte. Mazzucco hat seine Geschichte recherchiert und verschränkt die Dokumentation mit der Fiktion - kunstvoll und anrührend.
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