Aus dem Französischen von Melanie Walz. Nicht jeder hat das Glück, ein Waisenkind zu sein! Der neunjährige Icare, Spitzname Pflaume, lebt allein mit seiner Mutter, seit sich sein Vater mit einer anderen davon gemacht hat. Da seine Mutter nur Bier trinkt und mit dem Fernseher spricht, muss Icare den Äpfeln auf dem Speicher seinen Kummer erzählen. Eines Tages entdeckt er beim Spielen einen Revolver. Ein Schuss löst sich - und Pflaume ist ein Waisenkind. Doch das Kinderheim erweist sich als überraschendes Glück. Begeistert entdeckt er eine Welt jenseits von Fernsehen und Langeweile. Zum ersten Mal hat Pflaume Freunde, auch wenn der coole Simon, der weinerliche Ahmed, die ängstliche Alice oder der immer hungrige Jujube von den Dramen ihrer Kindheit gezeichnet sind. Sie alle bilden eine verschworene Gemeinschaft, die ihre Erwachsenen beim Wort nimmt und sie, wenn nötig, mit Indianerlist der Unwissenheit überführt. Und Pflaumes Glück scheint vollkommen, als die grünäugige Camille ins Waisenhaus kommt. Doch die Glücksfee hält noch ein letztes Geschenk bereit ....
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2005
In Gilles Paris' in Frankreich gefeierter "Autobiografie einer Pflaume" ist der Wurm drin, erkennt Martin Halter. Der Rezensent wirft dem Autor Gilles Paris, zugleich Pressechef eines großen Verlagshauses, "literarischen Kindesmissbrauch" vor. Der neunjährige Protagonist Icare, Spitzname "Pflaume, sei unglaubwürdig, wenn er ständig "geschliffene Sentenzen" oder "elaborierte Liebesschwüre" vom Stapel lässt. Icare erschießt versehentlich seine Mutter und kommt ins Waisenhaus, wo er gute Freunde findet und sich die Betreuer schnell in seine Gewitztheit verlieben. Aber Paris glaube nicht an die kindliche Welt, die er da aufbaut, insistiert Halter, er benutze den Kindesheld nur, um seinen eigenen "charmanten Kitsch" glaubwürdiger abzusetzen. Auf dieses Bauwerk aus "Naivitätsklötzchen" will Halter nicht hereinfallen, folgerichtig sieht er es auch recht schnell ins Wanken geraten und schließlich einstürzen. Da kann die "glänzende" Übersetzung nichts mehr kitten.
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