Der ehemalige Direktor des Internats Schloss Salem, Bernhard Bueb, hat mit seiner Streitschrift "Lob der Disziplin" für Aufregung gesorgt. "Bild" machte das Buch mit Aufmacherseiten zum Bestseller und bejubelte Bueb als "Deutschlands strengsten Lehrer". Jetzt antworten renommierte Autoren aus Wissenschaft und Publizistik auf Buebs umstrittene Thesen. Beiträge von Micha Brumlik, Karin Amos, Sabine Andresen, Wolfgang Bergmann, Claus Koch, Frank O. Radtke, Manfred Spitzer, Hans Thiersch.
Susanne Mayer attestiert dem von Micha Brumlik herausgegebenen Sammelband, das eine Erwiderung auf die umstrittenen Thesen des ehemaligen Salemer Schulleiters Bernhard Bueb darstellt, Klugheit und pädagogisches Fachwissen, findet aber trotzdem, dass es über sein Ziel hinausschießt. In dem Eifer, die Buebsche Forderung nach mehr Disziplin in der Erziehung von Kindern als missbräuchlich und antidemokratisch zu entlarven, werden auch schon mal Mängel des deutschen Bildungssystems an Schulen und Kindergärten verschwiegen. Auch hat Mayer den Eindruck, dass hier linke "Verschwörungstheorien" durchklingen. Trotzdem findet die Rezensentin das Buch sehr aufschlussreich, nicht zuletzt in Hinblick auf die Funktionsweise von öffentlichen Debatten hierzulande.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2007
Schon den Titel findet Burkhard Müller irreführend. Disziplin hält er für grundsätzlich zwanghaft und also per se für eine missbrauchte Sache. Die hier anklingende Wehrlosigkeit der Pädagogen dem Phänomen der Disziplin gegenüber sieht der Rezensent gespiegelt im verzweifelten Versuch der von Micha Brumlik zusammengetrommelten Autoren, Buebs unwissenschaftlichen Aufruf wissenschaftlich zu widerlegen. So geht's nicht, meint Müller und empfiehlt uns diejenigen Beiträge des Bandes, die sich Bueb persönlich nähern. Das Ergebnis erscheint Müller eindrucksvoll und gruselig zugleich: Nicht etwa als Neoliberaler stehe Bueb da, sondern als reaktionärer Technokrat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2007
Eine vertane Chance sieht Jürgen Kaube in diesem von Micha Brumlik herausgegebenen Sammelband. Die Kritik an Bernhard Buebs "Lob der Disziplin" hält er nicht für überflüssig, den von den Autoren angeschlagenen aggressiven, apodiktischen Ton aber hält er für kontraproduktiv. Mit kühler Wissenschaftlichkeit, die die Autoren doch so vehement von Bueb fordern, findet er, wäre man selbst weiter gekommen. Und stößt Kaube doch einmal auf einen "triftigen Hinweis" (wie in Brumliks Beitrag), wird dieser sogleich von einer weiteren "Dämonisierung Buebs" begraben. Gegen derartige "Sozialpsychologien aus der Hobbythek" hebt sich für Kaube ein einziger Beitrag des Bandes positiv ab: Sigrid Katrin Amos untersucht Buebs Erziehungsmodell und entdeckt darin ein tiefes Misstrauen gegenüber der Familie. Unter dieser Prämisse erscheint dem Rezensenten sogar Buebs Ruf nach Disziplin sinnvoll.
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