Aus dem hebräischen von F. Kautz. Die Verletzung der Menschenrechte und Gleichgültigkeit angesichts des Leids anderer gefährden die menschliche Gesellschaft. Der Holocaust ist der extremste Fall einer solchen Verletzung und zweifelsohne das äußerste moralische Versagen, das die Menschheit sich hat zu Schulden kommen lassen. Eine Auseinandersetzung sowohl mit dem Holocaust im Besonderen als auch mit Genozid im Allgemeinen dürfte wohl zum Verständnis der Wichtigkeit humanistischer und demokratischer Werte überhaupt beitragen. Sie könnte auch das Rüstzeug liefern, das wir dazu brauchen, moralisch zu urteilen. Deshalb sind Holocaust- und Genozidstudien zu einem festen Bestandteil der Lehrpläne in Schulen in Amerika und anderen Ländern geworden. Dieses Buch fragt danach, wie die moralischen Lehren, die sich aus derartigen historischen Vorkommnissen ergeben, in Schulen am besten vermittelt werden können.
Als eine "ebenso aufschlussreiche wie kritische Studie" würdigt Micha Brumlik diese Untersuchung der israelischen Holocaust-Erziehung, die Yair Auron vorgelegt hat. Im Mittelpunkt sieht Brumlik eine kritische Auseinandersetzung mit der Gestalt von Lehrplänen und erlebnisbezogenen didaktischen Formen zur Holocaust-Erziehung wie zum Beispiel die Reisen israelischer Jugendlicher an die Stätten der Vernichtungslager in Polen. Erhellend erscheinen ihm Aurons Zusammenfassungen empirischer Studien zur Haltung jüdisch-israelischer und arabisch-israelischer Jugendlicher zur Shoah sowie die Betrachtungen zur Vermittlung genozidaler Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Brumlik unterstreicht die Überzeugung Aurons, eine ausschließliche Unterweisung in der Geschichte des Holocaust greife in der heutigen Welt zu kurz. Zudem hebt er seinen Einspruch gegen eine jüdisch-nationalistische Verengung des zeitgeschichtlichen Unterrichts hervor. Insgesamt biete das Buch seines Erachtens die Möglichkeit, "die israelische Debatte gleichsam von innen kennen zu lernen".
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