Juden waren über Jahrhunderte verfolgte Außenseiter. Die Gründung des Staates Israel sollte endlich eine ganz normale Heimat für sie schaffen. Doch heute sieht sich Israel selbst in der Rolle des misstrauisch beobachteten Außenseiters. Der Traum der frühen Zionisten von einem "normalen Staat" war, wie Michael Brenner zeigt, von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Er beschreibt, wie sich die Zionisten einen jüdischen Staat vorstellten, wie sich der Staat Israel seit seiner Gründung 1948 entwickelt hat und welche gegensätzlichen Visionen von Israel das Land zunehmend spalten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.02.2016
Ronen Steinke kennt Michael Brenner als führenden Forscher zur Geschichte der deutschen Juden, der sich mit tagesaktuellen Kommentaren zurückhält. So auch im Buch. Stattdessen bietet der Autor laut Ronen eine Ideengeschichte israelischer Selbstentwürfe. Wenn darin jüngere politische Desillusionierungen als Themen langer Historie erkannt und ursprüngliche jüdische Sehnsüchte sichtbar gemacht werden, scheint das Steinke erhellend. Nicht zuletzt, da Brenner konzentriert und stilistisch glanzvoll schreibt, wie er erklärt.
Es gibt viele Bücher über Israel, weiß Henryk M. Broder, aber kaum eines darunter taugt etwas, findet der Rezensent. Michael Brenners "Israel" ist nun endlich mal ein gutes, freut sich Broder. Das Buch zeichnet sich vor allem durch seine unaufgeregte, historische Untersuchung aus, die auch zionistische Bestrebungen lange vor dem Zweiten Weltkrieg und jenseits von Palästina berücksichtigt, unterschiedliche Vorstellungen des Staates Israel bespricht und diese schließlich mit der heutigen Realität abgleicht, fasst der Rezensent zusammen. Die Rolle Israels in der Staatengemeinschaft vergleicht Brenner schließlich mit derjenigen, die Juden in der Diaspora seit jeher inne haben, erklärt Broder.
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