Die Hamas
Herrschaft über Gaza, Krieg gegen Israel

C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN
9783406816970
Broschiert, 223 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Der Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte Israels. Joseph Croitoru erklärt, wie die Hamas seit 2007 ihre islamistische Herrschaft im Gazastreifen etabliert hat. Sein Buch, das auf langjähriger Beobachtung der Hamas basiert, lässt den neuen, schrecklichen Krieg in Israel und Palästina besser verstehen. Die Leichtigkeit, mit der Kämpfer der Hamas und des Islamischen Dschihad im Oktober 2023 die Grenze zu Israel überwunden haben, und die Unzahl ihrer Raketen haben die Welt verblüfft. Wie konnten so viele schwere Waffen in das vermeintlich lückenlos, bis tief in den Boden, gesicherte Gebiet gelangen? Welche Ideologie und welche Unterstützer stecken hinter der Hamas? Joseph Croitoru beschreibt die Geschichte der "Islamischen Widerstandsbewegung" (Hamas), die 1987 aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen ist und 2007 gewaltsam die Macht in Gaza übernommen hat. Er erläutert ihre unterschiedlichen Gesichter als Wohltätigkeitsorganisation, Regierungspartei und Terrorgruppe und zeigt, wie die palästinensische Bevölkerung von der rücksichtslosen Politik der rechtsgerichteten Netanjahu-Regierung in ihre Arme getrieben wird. Israel kann mit seinem massiven Gegenschlag die Herrschaft der Hamas über Gaza beenden, doch ob das auch das Ende der Hamas sein wird, bleibt fraglich.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2025
Thomas Speckmann bepricht dieses Buch über ein Jahr, nachdem es erschienen ist. Viel Nützliches lernt er darin über die Hamas - sie sei 1987 gegründet worden, um Israel zu vernichten und habe sich dabei, im Gegensatz zur PLO, eines islamistischen Vokabulars bedient. Das Vernichtungsziel bleibt bis heute bestehen, so Speckmann. Trotz der Schwächung der Hamas durch den jüngsten Gazakrieg hält Speckmann das Buch nicht für überholt: Wer sich mit der Geschichte der Konflikte in Nahost beschäftigt, wird die Informationen über diesen Ableger der Muslimbrüder, aber auch über die israelischen Gegenspieler brauchen, ist der Rezensent überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2024
Bei der Lektüre von Joseph Croitorus Buch über die Hamas bemerkt Rezensent Christian Meier, welcher "gründlichen Täuschung" die Weltgemeinschaft bis zum 7. Oktober in Bezug auf Gaza erlegen ist. Nicht nur baute die Hamas nach 2007 ihre Macht immer weiter gegenüber der PLO aus, erfährt er von dem in Haifa geborenen Journalisten und Historiker. Sie bereitete gezielt und sehr konkret die Eskalation mit dem Staat Israel vor, liest der Kritiker. So gab es Militärübungen, es soll unter anderem auch zur Ermordung eines Kibbuzbewohners gekommen sein. Croitoru beweist sich dabei als "profunder Kenner des Nahostkonflikts", lobt der Kritiker, und beschreibt detailliert das Ziel der Hamas einen Frieden mit Israel unter allen Umständen zu verhindern. Bei einem so kontroversen Thema besticht Croitorus Darstellung durch ihre Nüchternheit und ist damit ein Muss für die Debatte, versichert Meier, auch wenn nach der Lektüre ein paar Fragen offen bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2024
Der Historiker René Wildangel bemerkt zu Beginn seiner Kritik, dass Joseph Croitorus Buch auf Vorgängern beruht - zum ersten Mal hat Croitoru bereits 2007 zum Thema Hamas publiziert. Allerdings sei das jetzige Buch weit mehr als eine Neuauflage, dem 7. Oktober sind allein zwei Kapitel gewidmet. Insgesamt ist der Rezensent sehr eingenommen von Croitorus sachlicher und nach seinem Urteil überaus kenntnisreicher Darlegung. Sowohl die islamistisch-nationalistische Ideologie der Hamas, die jeden Kompromiss mit Israel ablehnt und das Land auslöschen will, sieht er angemessen geschildert, als auch die Fehler, die vor allem die israelische Rechte gegenüber der Hamas machte: Ihr erschien die Hamas als willkommener Rivale zur säkularistischen, aber nicht weniger finsteren PLO. Auch die internen Kämpfe zwischen Hamas und PLO schließlich sieht Wildangel gut abgebildet. Nur zwei kleine Einwände hat er: Die trotz Hamas lange Zeit noch funktionierende rudimentäre Zivilgesellschaft im Gazastreifen hätte er gewürdigt gesehen. Und er hätte gern einen ausführlicheren Ausblick auf eine denkbare Zukunft gehabt.