Saul Friedländer

Blick in den Abgrund

Ein israelisches Tagebuch
Cover: Blick in den Abgrund
C.H. Beck Verlag, München 2023
ISBN 9783406808975
Gebunden, 237 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Israel steht am Abgrund. Das Israel, das wir kannten. Saul Friedländer, der große Historiker des Holocaust, hat ein Tagebuch geschrieben, in dem er die aktuellen Ereignisse schildert und kommentiert, in Rückblenden aus der Geschichte des Landes, das er mit aufgebaut hat, erzählt, Konflikte analysiert und über Lösungen nachdenkt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.10.2023

Wer über den Nahostkonflikt, insbesondere auch nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und den anschließenden Krieg in Gaza, Bescheid wissen will, der sollte laut Rezensent Michael Hesse Saul Friedländers Buch lesen. Genauer gesagt handelt es sich, erfahren wir, um eine Bearbeitung von Tagebuchaufzeichnungen, in denen der in Kalifornien lebende Historiker die innerisraelischen Auseinandersetzungen um Netanyahus umstrittene Justizreform begleitet. Entgeistert ist Friedländer laut Hesse vom wachsenden Einfluss radikaler Kräfte auf die israelische Politik, den Ausgang des Konflikts hält er für entscheidend für künftige Entwicklungen. Friedländer schreibt laut Hesse über die Protestbewegung gegen Netanyahu, und macht sich außerdem Gedanken über Antisemitismus sowie über die Diskriminierung von Arabern in Israel. Am Ende steht laut Hesse die beinahe prophetische Angst vor einem neuen Krieg, der die Einigkeit Israels auf eine harte Probe stellen könnte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2023

Der Ausblick, den Saul Friedländer in diesem Buch gibt, könnte eine mögliche Friedenslösung für den Nahen Osten bieten, glaubt Rezensentin Alexandra Föderl-Schmid. Der Historiker Saul Friedländer begleitet darin, so Föderl-Schmid, von Amerika aus die Auseinandersetzungen um die umstrittene Justizreform der Netanyahu-Regierung. Friedländer zeichnet laut Rezensentin nach, wie die rechtsgerichtete Regierung in ihrem Fokus auf die Reform und die Unterstützung der Siedlerbewegung den Versuch unternimmt, das Land nach rechts zu rücken, woraufhin eine breite Protestbewegung entsteht, die Friedländer aus der Ferne hoffnungsvoll begleitet. Der Autor lege dabei einige in medialen Berichten sonst kaum thematisierte Hintergründe offen und beschäftige sich außerdem mit gesellschaftlichen Spannungen, die Israel bis heute prägen. So thematisiert er laut Rezensentin die Vormachtstellung der Aschkenasim und kritisiert, dass die Demonstranten die Palästinenserfrage nicht aufgreifen. Besonders hart geht er, lernen wir, mit den Siedlern ins Gericht. Friedländers Vision eines palästinensischen Staates ohne eigene Armee könnte eine Vision für die Zeit nach dem aktuellen Krieg sein, glaubt Föderl-Schmid.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 13.10.2023

Saul Friedländers Tagebuch "Blick in den Abgrund" kommt genau zur rechten Zeit, glaubt Rezensentin Victoria Eglau. Wenngleich der Angriff der Hamas im Oktober 2023 darin nicht mehr aufgegriffen werden konnte, bieten Friedländers Überlegungen doch eine große Hilfe bei der Einordnung dieses Angriffs und der Reaktionen darauf. Schreibanlass und zentrales Thema des Buches ist der Antritt der ultrarechten Regierung in Israel und deren geplante Justizreform, die der Historiker und Holocaust-Überlebende scharf verurteilt - genauso wie die Besatzung und Besiedlung des Westjordanlandes, die Gewalttaten radikaler Siedler gegen Palästinenser, aber auf der anderen Seite auch: Die Angriffe palästinensischer Terrorgruppen auf israelische Bürgerinnen und Bürger. Mit klarem Blick und ebenso klaren Worten erklärt Friedländer die tiefe Spaltung der israelischen Gesellschaft, ihre Ursprünge sowie die (möglichen) Folgen für das Land. So leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag zum Verständnis Israels und des Nahost-Konflikts, so die Rezensentin.

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