Gaby Hartel und Michael Glasmeier, die bereits Becketts Texte zur bildenden Kunst unter dem Titel "Das Gleiche nochmal anders" herausgegeben haben (st 3114), beschäftigen sich in ihrem neuen Band mit Becketts Film-, Fernseh- und Videoarbeiten. "The Eye of Prey" versammelt erstmals Beiträge von und Gespräche mit den Personen, die sich intensiv mit Becketts Filmen auseinandersetzen: Außer einem Philosophen (Gilles Deleuze), zwei bildenden Künstlern (Stan Douglas und Damian Hirst), Regisseuren und Filmproduzenten wie Marin Karmitz und Anthony Minghella - der nach Auskunft des Beckett-Biographen James Knowlson selber einmal über Beckett promovieren wollte - sind Kunst- und Literaturwissenschaftler aus dem englisch- und dem deutschsprachigen Raum beteiligt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2012
Beckett: In der Kargheit liegt sein Reichtum, und das gilt für sein Filmwerk ebenso wie für seine bekannteren Theaterstücke, schreibt Christian Deutschmann in einer emphatischen und kompetenten Kritik des Bandes. Beckett fühlte sich immer schon zum Film, später fast mehr noch zum Fernsehen hingezogen, erzählt Deutschmann, und daran kann ganz organisch eine Frage anschließen, die in der Beckett-Forschung im ganzen heute en vogue zu sein scheint: Kann es sein, dass der "Drang zum Bild" in sein gesamtes Werk eingeschrieben ist? Nach Lektüre von Deutschmanns Kritik und seinem Referat einiger Artikel des Buchs, ist man geneigt die Frage mit "Ja" zu beantworten. Beckett, so steht da etwa, gelangt über das Fernsehen zu einem ganz neuen Genre: dem visuellen Gedicht. Nebenbei reflektiert der Band laut Deutschmann übrigens noch etwas anderes: eine verloren gegangene Intensität und Liebe, mit der sich die öffentlich-rechtlichen Sender einer solchen Avantgarde-Figur zuwandten. Denn trotz ihrer Kargheit, so Deutschmann, waren die Produktionen der Beckett-Filme durchaus aufwendig.
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